Arnold Bode

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100. Geburtstag Arnold Bode, Sonderpostwertzeichen Deutschland, Erstausgabe 09.11.2000

Arnold Bode gilt als Begründer der documenta. Er war Maler, Zeichner, Raumkünstler, Kurator und Hochschullehrer. Er wurde am 23. Dezember 1900 in Kassel geboren. Er starb 1977 in Kassel.[1]

Inhaltsverzeichnis

Arnold Bode

Leben und Werdegang

Vom Gymnasium weg wurde er noch 1918 im Ersten Weltkriegrieg eingesetzt. Von 1919 bis 1924 studierte er an der Kunstakademie Kassel und schloss mit der Prüfung für Zeichenlehrer ab. Bode arbeitete aber anschließend als freier Künstler und wirkte an der Organisation von Ausstellungen in der Orangerie in den Jahren (1922, 1925, 1927 und 1929) mit.

1930 wurde Bode an das Berliner Werklehrer-Seminar berufen, wurde aber schon drei Jahre später von den Nazis entlassen. Er schlug sich als Raum- und Möbelgestalter durch und musste von 1939 bis 1945 als Soldat Dienst leisten. 1948 gehörte er in Kassel zu den Wiederbegründern der Akademie, an der er Professor für Malerei wurde. Daneben arbeitete er als Ausstellungsgestalter und kämpfte bis zu seinem Tod im Jahre 1977 für seine documenta-Idee.

Privates

Bode hatte vier Kinder: Eva, René, Nele und Peter. Er war verheiratet mit seiner Frau Frau Marlou (Marie-Louise).[2]

Wussten Sie schon, dass ...

Begründung der documenta

Der Bergpark Wilhelmshöhe und die Gemäldegalerie Alte Meister wären es wert, jährlich Hunderttausende nach Kassel zu locken. Aber sie hatten es bisher nicht geschafft. Dagegen hat es eine Ausstellung zu Weltruhm gebracht, die in ihren Anfängen bedeutend, aber höchst bescheiden war: Die documenta ist seit ihrer Begründung im Jahr 1955 zur internationalen Kunstschau geworden.

Der wichtigste Motor für den Erfolg der Ausstellung aber war Arnold Bode. Seine unbändige Energie, seine Hartnäckigkeit und Fantasie, aber auch seine Ungeduld und Lust am Neuen ließen die documenta entstehen und wachsen.

Der Traum vom Oktogon

Arnold Bode hatte das Museum Fridericianum als Ausstellungsort für die documenta entdeckt. Aber er hing nicht an dem Gebäude. Schon Ende der 1950er-Jahre begann er, ernsthaft an dem Plan zu arbeiten, das damals noch zerstörte Schloss Wilhelmshöhe für die documenta auszubauen. Auch aus zeitlichen Gründen wurde nichts daraus.

Zur gleichen Zeit fasste er erstmals den Gedanken, das Oktogon-Schloss unter dem Herkules einzubeziehen. Mal dachte er daran, dort Skulpturen zu zeigen, später wollte er mit Theaterprojekten an diesen herausragenden Ort gehen. Doch baupolizeiliche, finanzielle und organisatorische Gründe verhinderten diese Ausweitung.

In den 1970er-Jahren arbeitete Bode intensiv an der Oktogon-Idee. Er, der jetzt auf die documenta-Planung keinen Einfluss mehr hatte, träumte davon, 1977 mit einer großen Ausstellung in das Oktogon zu gehen. Doch die Ausstellung, die so etwas wie eine Gegendocumenta geworden wäre, hatte keine Chance. Sie blieb eine Vision.

documenta: Idee und Vorgehensweise

Arnold Bode - von Gerhard Richter gemalt

Die Idee zur Ausstellung entwickelte Bode zusammen mit Freunden, nachdem er von seinem Kollegen an der Werkakademie erfahren hatte, dass zur Bundesgartenschau 1955 eine Begleitausstellung für Kunst geplant werden könne. Bode entdeckte die provisorisch gesicherte Ruine des Museums Fridericianum als Ausstellungsraum.

Dabei darf nicht übersehen werden, dass er die Idee schon länger hatte. Schließlich hatte er in den 1920er-Jahren maßgeblich an Ausstellungen der klassischen Moderne in der Orangerie mitgewirkt.

Bei seiner Konzeptentwicklung konnte Arnold Bode auf seine Erfahrungen aus den 1920er-Jahren zurückgreifen. Als Student und später freier Künstler hatte er an Ausstellungen in der Orangerie mitgewirkt, in denen die Künstler der deutschen Moderne vertreten waren. Zahlreiche deutsche Künstler, die 1955 zur documenta eingeladen wurden, waren bereits 1927 und 1929 in Kassel dabei. Auch war in einer dieser Ausstellungen zeitgenössische Architektur dokumentiert worden. So war es für Bode naheliegend, auch bei der documenta immer Architektur mitzudenken. Das Projekt einer Documenta urbana wurde allerdings erst 1982 und außerhalb der documenta verwirklicht.

Ausstellungsleiter

Den ersten drei Ausstellungen, die Bode inhaltlich gemeinsam mit Werner Haftmann gestaltete, gab er durch die Art der Inszenierung ihr Gesicht.

Bode blieb bis 1968 (in dem Jahr vor allem zusammen mit Jan Leering) Ausstellungsleiter. 1972 setzte sich Bode mit Erfolg dafür ein, dass die Installation Five Car Stud von Edward Kienholz in Kassel gezeigt wurde. 1977, als er längst nicht mehr zum Leitungsteam gehörte, kämpfte Bode für seine Idee, im Oktogonschloss des Herkules eine ergänzende und alternative Ausstellung zu zeigen. Unmittelbar nach Schluss der documenta 6 starb Arnold Bode.

documenta 1 bis 12 Leiter - Künstler - Exponate - Besucherzahl

| Führung durch die documenta 1955 | documenta 1 | 1955 | Arnold Bode | 148 | 670 | 130 000 | | | Führung durch die II. documenta (1959) | documenta 2 | 1959 | Arnold Bode, Werner Haftmann | 392 | 1770 | 134 000 | | | Führung durch die documenta III (1964) | documenta 3 | 1964 | Arnold Bode, Werner Haftmann | 280 | 1450 | 200 000 | | | Führung durch die 4. documenta (1968) | documenta 4 | 1968 | 24-köpfiger documenta-Rat | 150 | 1000 | 220 000 | | | Führung durch die documenta 5 (1972) | documenta 5 | 1972 | Harald Szeemann | 218 | 820 | 228 621 | | | Führung durch die documenta 6 (1977) | documenta 6 | 1977 | Manfred Schneckenburger | 622 | 2700 | 343 410 | | | Führung durch die documenta 7 (1982) | documenta 7 | 1982 | Rudi Fuchs | 182 | 1000 | 378 691 | | | Führung durch die documenta 8 (1987) | documenta 8 | 1987 | Manfred Schneckenburger | 150 | 600 | 474 417 | | | Führung durch die Documenta IX (1992) | documenta 9 | 1992 | Jan Hoet | 189 | 1000 | 603 456 | | | Führung durch die documenta X (1997) | documenta 10 | 1997 |Catherine David | 120 | 700 | 628 776 | | | Führung durch die Documenta11 (2002) | documenta 11 | 2002 | Okwui Enwezor | 118 | 450 | 650 924 | | | Führung durch die documenta 12 (2007) | documenta 12 | 2007 | Roger M. Buergel

Positiver Effekt für Kassel

Die Kunsthochschule und die Neue Galerie haben von der Ausstellung genauso profitiert wie die Kunstszene und die Gastronomie. Ohne die documenta gäbe es keine Kunsthalle Fridericianum. Und ohne die documenta hätte die sich die Bewerbung um die Kulturhauptstadt 2010 auf wackligen Füßen bewegt. Ein großer Faktor ist zudem der Kultur-Tourismus.

Bodes Kühnheit bestand darin, dass er von Anfang an langfristig plante. In den ersten Papieren zur documenta dachte er bereits 1954 an Neuauflagen der Ausstellung im Vier-Jahres-Rhythmus. Auch sorgte er dafür, dass die Ausstellungsgremien international ausgerichtet wurden. Wenn man Bodes historische Leistung für die documenta und damit für Kassel würdigt, darf man nicht übersehen, dass die Arbeit nur gelang, weil er die Akademie im Rücken hatte und aus ihr heraus organisieren konnte. Aber weit über die Grenzen der documenta hinaus war Bode in den 1950er- und 1960er-Jahren der Mann, der wesentliche Impulse für die Stadt und deren Museen gab.

Er mischte sich mit konkreten Vorschlägen zur Stadtgestaltung in die Politik ein, er überraschte die Öffentlichkeit dadurch, dass er die Alten Meister in weißen Rahmen zeigte, und er inspirierte die Diskussion um Museumskonzepte.

Preis

Der Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel wird seit 1980 an Künstler in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Der Preis ist nach dem documenta-Gründer Arnold Bode benannt und wird durch die Arnold-Bode-Stiftung verliehen. Das Grundkapital der Stiftung entstammt einigen Kunstwerken, die eine Reihe von documenta-Künstlern Arnold Bode anlässlich seines 75. Geburtstages am 23. Dezember 1975 schenkten.

Der Arnold-Bode-Preis wurde von 1980 bis 1988 jährlich, seitdem (in der Regel) zweijährlich, auf jeden Fall in einem documenta-Jahr verliehen. Die Verleihung findet in den Räumen des Kasseler Kunstvereins - im Zusammenhang mit einer Ausstellung von Werken des Preisträgers - statt. Eine Teilnahme des Preisträgers an einer documenta ist nicht Voraussetzung der Verleihung.[3]

Straße

Auf dem Campus der Universität Kassel am Holländischen Platz ist eine Straße nach Arnold Bode benannt.

siehe auch

Weblinks und Quellen


  1. Wikipedia-Eintrag zu Arnold Bode
  2. Leneslauf Bodes auf kassel.de
  3. Beschreibung des Arnold-Bode-Preises auf kulturpreise.de
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