Auestadion Kassel

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Auestadion
(Foto: G.Pöpperl)

Das Auestadion ist ein im Jahre 1953 eingeweihtes Mehrzweck-Stadion in der Stadt Kassel und besonders als Spielstätte des Fußballvereins KSV Hessen Kassel bekannt.

Das Stadion ist aber nicht nur Austragungsstätte von Fußballspielen und Leichtathletikveranstaltungen sondern auch von Konzerten und Kulturveranstaltungen.

Insgesamt bietet das Auestadion ca. 18.440 Zuschauer Platz, dabei gibt es etwa 8.440 Sitzplätze.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1953: Stolz auf das neue Aue-Stadion

Tausende Menschen pilgerten am Sonntag, dem 23. August 1953 ins neue Kasseler Aue-Stadion zur Eröffnungsfeier. Überall wehten bunte Fahnen, die Tribüne mit ihren 2000 Sitzplätzen war bis auf den letzten Platz besetzt.

Der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn sprach die Eröffnungsworte und äußerte den Wunsch, "daß Demokratie und Sport ein einiges, starkes Bollwerk für die Freiheit bilden". Für den weiteren Ausbau des Stadions hatte er einen Scheck der Landesregierung über 100 000 DM mitgebracht.

Historisches Sportfoto: Leichtathletik-Veranstaltung im Auestadion

Von "einer ereignisreichen Stunde im Kasseler Sportleben" sprach Oberbürgermeister Willi Seidel. Neue Sportplätze zu bauen, sei das größte Verdienst einer Stadtverwaltung, denn es seien Werke der Lebensbejahung, sagte Stadtrat Hans Nitsche, der den Bau des Stadions initiiert hatte.

300 000 DM aus Totomitteln waren für den Bau zur Verfügung gestellt worden, viele Tonnen Trümmerschutt aus der Altstadt fanden Verwendung. Die geplanten beheizbaren Umkleide-, Wasch- und Duschräume unter der Tribüne mußten wegen Geldknappheit auf einen späteren Bauabschnitt verschoben werden.

Die Sportfans waren dennoch begeistert von der neuen Wettkampfstätte, die nicht nur 2000 Zuschauern auf einer überdachten Tribüne Platz bot, sondern mit ihren Rasenflächen, der 400 Meter langen Aschenbahn und den Sprunggruben internationalen Anforderungen entsprach. Fachleute aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz kamen zur Besichtigung und zeigten sich beeindruckt von dem Bau.

Alle, die anläßlich der Stadion-Einweihung mit den ersten Oberliga-Punkten für den gerade aufgestiegenen KSV gerechnet hatten, wurden allerdings enttäuscht. Die Aschaffenburger revanchierten sich für die 1:7 Pokalniederlage und schlugen die Hessen mit 2:1. "Wo blieb der kämpferische Elan?", fragte der Berichterstatter der Hessischen Nachrichten angesichts der schwachen Leistung der heimischen Elf. Der Ball war zuvor von amerikanischen Offizieren aus einem Flieger mitten ins Stadion abgeworfen worden.

Die Einweihungsfeier am 23. August 1953

1953 wurde das Kasseler Auestadion auf dem ehemaligen Aufmarschgelände eingeweiht

1953 wurde das Kasseler Auestadion auf dem ehemaligen Aufmarschgelände eingeweiht.


Grafik: Langes Feld - im Norden das Auestadion
Spiel des KSV Hessen gegen Ulm 46 in der Fußball-Saison 1962/63 am 3. Februar; bei ca. zehn Grad Minus waren 30000 Zuschauer im Auestadion.
Leser Wolfgang Hehr hat RegioWiki diese Bild zur Verfügung gestellt.
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Endlich war es so weit. Immer wieder waren die Einwohner des im Krieg fast völlig zerstörten Kassel in den Frühlings- und Sommermonaten des Jahres 1953 runter in die Südstadt zum ehemaligen Aufmarschgelände gepilgert, um sich über den Stand der Arbeiten an ihrem neuen Prestigeobjekt, dem Auestadion, zu informieren. Und dann, am 23. August, war sie endlich da, die ersehnte Einweihungsfeier.

35000 Zuschauer hatten sich im weiten Rund eingefunden, als Ministerpräsident Georg August Zinn im Beisein der Stadtprominenz das Bauwerk im Vorfeld des Oberligaspiels Hessen Kassel gegen Viktoria Aschaffenburg der Sportjugend übergab. Ein Traum war Wirklichkeit geworden. Endlich hatten die Kasseler wieder ein Bauwerk, auf das sie stolz sein konnten, und um das sie viele beneideten.

Denjenigen, die nicht dabei sein konnten, wurde über die Zeitung damals mitgeteilt, dass es sich bei dem neuen Stadion um eine völlig neue Konstruktion handele. Von jedem Platz auf den Rängen sei das ganze Spielfeld jederzeit zu übersehen. Eine derartige Bauweise sei bislang nur in Augsburg angewandt worden. Weiter wurde berichtet, dass die steil nach oben ragenden Stehränge fünf Meter hoch seien und dass das Dach der 2200 Zuschauer fassenden Haupttribüne frei tragend sei. Von Delegationen aus Bern, Freiburg und Zürich war im Weiteren die Rede, die sich auf den Weg nach Kassel gemacht hätten, um die Vorzeigesportstätte zu begutachten. Und der Architekt des Berliner Olympiastadions, Professor Werner March, habe oben auf den Rängen lange Zeit sinnend in die Runde geschaut. 1,7 Millionen Mark waren für den Bau ausgegeben worden, ein großer Teil davon wurde über Totogelder finanziert. Ein gigantischer Betrag damals, denn das Durchschnittseinkommen der Beschäftigten lag bei 300 Mark im Monat. Die Pläne zum Bau des Stadions waren 1948 entstanden. Maßgeblichen Anteil daran hatte der damalige Kasseler Dezernent für Leibesübungen, Hans Nitsche. Er wollte Kassel, die zerstörte Stadt am Rande der neuen Zonengrenze, zu einem nationalen Sportstandort erster Güte weiterentwickeln. Länderspiele und Begegnungen im Rahmen der deutschen Fußballmeisterschaft sollten nach Kassel geholt werden. Auch so sei es möglich, Geld nach Kassel zu locken. Und er plante Außergewöhnliches: Nämlich zwei Stadien. Ein kleineres, das Auestadion, sollte für 30000 Zuschauer konzipiert werden. Das größere in unmittelbarer Nähe sollte gar 60000 Gäste fassen. Begonnen wurde mit dem kleineren Exemplar.

Als wichtigstes Baumaterial zum Aufschütten der Ränge diente der Schutt der im Krieg zerstörten Häuser aus der Innenstadt. Kostenlos - so hieß es - sei er von Lkw zur Baustelle gekarrt worden. Die Pläne zur zweiten Arena wurden übrigens wegen zu hoher Kosten zunächst verschoben und später gekippt. Die Trauer darüber hielt sich in Kassel in Grenzen. Fast 30 Jahre lang blieb das Auestadion in seiner ursprünglichen Form in der Folgezeit als Spielstätte des KSV Hessen sowie diverser hochrangiger Leichtathletikveranstaltungen Vorzeigesportstätte der Region.

Dann - in den 80er Jahren - kamen diverse Änderungswünsche, angestoßen vom damaligen Zweitligisten KSV Hessen. Der pochte an das Tor der ersten Liga, forderte, die Haupttribüne umzubauen und eine Flutlichtanlage zu installieren. Unrealisierbar! Ein Umbau der Tribüne kam nicht in Frage, weil das Bauwerk bis heute unter Denkmalschutz steht. Die Flutlichtanlage wurde abgelehnt, weil die Masten das Gesamtbild Auepark in unzulässiger Weise gestört hätten. Blieb die Erweiterung. Konkret: Links und rechts der Haupttribüne entstanden zwei überdachte Seitentribünen für jeweils 700 Zuschauer. Kosten: Vier Millionen Mark.

Historische Sportfotos

Das Auestadion heute

Auestadion Oktober 2010
(Foto: G.Pöpperl)
Fans des KSV Hessen Kassel auf der Tribüne im Auestadion.
(Foto: J. Herzog)

Ende gut, alles gut? Nur zum Teil.

Die Modernisierung war zwar abgeschlossen, doch fatalerweise waren die Fußballer des KSV Hessen inzwischen abgestiegen. Die Zeit der großen Fußballfeste war vorerst beendet.

Seit 2002 gab es eine neue Ausbaudiskussion. Das inzwischen in weiten Bereichen marode Stadion sollte nach dem Willen von Stadt und Land zu einer Leichtathletik-Arena erster Güte umgebaut werden. Die Gegengerade sollte eine überdachte Sitzplatztribüne erhalten, die Laufbahnen um zwei auf acht erhöht werden.

Das Projekt war nicht unumstritten. Erstens hat die hoch verschuldete Stadt kein Geld, zweitens plädieren Teile der Bevölkerung und der Politik dafür, stattdessen eine Multifunktionshalle zu errichten. Der erste Abschnitt der Umbauarbeiten wurde im November 2006 abgeschlossen, gefolgt vom zweiten Bauabschnitt.

2010 sollte das Stadion bereits komplett saniert sein und es sollten die Deutschen Leichtathletikmeisterschaften im Auestadtion ausgetragen werden. Stattdessen werden in Absprache mit dem Landessportbund Hessen und dem Deutschen Leichtathletik-Verband die Deutschen Meisterschaften 2011 in Kassel stattfinden.

Ende April 2010 nahm die Haupttribüne des Stadions immerhin Konturen an. Und ab Juni sollen die Arbeiten an der Stahlkonstruktion des Stadiondachs beginnen. Für den 24. Oktober 2010 ist die Fertigstellung der 7,4 Millionen teuren Tribüne vorgesehen.

Nicht nur für sportliche Events soll das Auestadion zur Verfügung stehen. Auch attraktive Freiluftkonzerte sind nach der Fertigstellung fest eingeplant.

Lage und Verkehrsanbindung

Das Auestadion wurde in der Kasseler Südstadt am Südwestrand der Karlsaue errichtet, unweit der Kreuzung des Straßenzugs Ludwig-Mond-StraßeFrankfurter Straße am Südende der Menzelstraße nahe der Eissporthalle Kassel und der Großsporthalle Auepark.

Mit dem PKW ist das Auestadion von der A 49 (Anschlussstelle „Kassel-Auestadion“) zu erreichen.

Für Besucher, die mit dem ÖPNV anreisen, befindet sich die Straßenbahn- und Bushaltestelle "Auestadion" (auch Haltestelle der Regio-Tram) in unmittelbarer Nähe des Stadions.

2010: Umbau und neue Haupttribüne

Die neue Haupttribüne

Querschnitt Haupttribüne Auestadion
Die Grafik links zeigt die Planung der neuen Haupttribüne für das Auestadion. 2600 Zuschauer finden einen Platz auf der 7,9 Millionen teuren Tribüne, die aus drei Ebenen besteht.

Auf den Fotos rechts sind verschiedene Punkte markiert, die hier erklärt werden:

1. Heimkabine im Erdgeschoss: Hier zieht sich die Mannschaft des KSV um und nimmt die letzten taktischen Anweisungen des Trainers entgegen. Duschen und Toiletten grenzen an diese Kabine an.

2. Gästekabine im Erdgeschoss: Sie befindet sich hinter dem Raum für den Platzwart und bietet der Gästemannschaft Platz. Insgesamt gibt es im Erdgeschoss 25 Umkleide- und Funktionsräume auf annähernd 1000 Quadratmeter Fläche. Insofern ist das Erdgeschoss der Haupttribüne konzipiert wie eine Schulsporthalle.

100 Meter lang, knapp 30 Meter breit, 26 000 Kubikmeter Rauminhalt, 7,9 Millionen Euro teuer: Auf der neuen Haupttribüne des Auestadions finden 2600 Menschen Platz.
Sechs Treppen, zwei Fahrstühle: Die neue Haupttribüne soll auch für jeden Menschen mit Behinderungen gut erreichbar sein

3. Sprecherkabine im zweiten Obergeschoss: Sie ist in den VIP-Bereich integriert, aber durch Glaswände abgeschlossen. Von hier aus verliest der KSV-Sprecher die Aufstellungen und die Torschützen. An die Sprecherkabine grenzt eine Einzelkabine für den Rundfunk an. Platz für die Fernsehkameras bietet eine Plattform auf der Tribüne vor der Sprecherkabine. In diesem Bereich befinden sich auch die Ehrenplätze, die ein wenig komfortabler ausgestaltet sind.

4. VIP-Bereich im zweiten Obergeschoss: Er bietet Platz für 230 VIP-Gäste. Hinter einer Glasscheibe stehen 16 Tische für je neun Gäste. 16 kleinere Stehtische sind auf 730 Quadratmeter Fläche verteilt. Von hier aus lässt sich das Geschehen auf dem Rasen bei jedem Wetter bequem verfolgen. In den VIP-Bereich integriert ist ein kleiner Küchenbereich. Hier wird zwar nicht gekocht, aber Speisen und Getränke gelagert und zubereitet. 28 Toiletten gehören ebenfalls zu dem VIP-Bereich.

5. Einlaufzone ins Stadion: Hier treffen sich die Mannschaften und der Schiedsrichter, unmittelbar bevor alle gemeinsam auflaufen. Der Bereich dient auch als Mixed-Zone. Das bedeutet: Hier können Journalisten die Sportler nach ihrem Spiel oder Wettkampf befragen. Ein solcher Bereich ist von der Deutschen Fußball-Liga für die höheren Klassen vorgeschrieben, damit alles in geordneten Bahnen abläuft.

6. Zwei Bewirtungszonen im ersten Obergeschoss: Würstchen und Getränke gibt es vornehmlich im Auestadion. Der Bereich auf Ebene eins nennt sich interaktive Zone mit einer Fläche von 1200 Quadratmetern. Hier können sich die Zuschauer in Pausen aufhalten. Es gibt auf jeder Seite Kioske, an denen Würstchen und Getränke verkauft werden. Hier befinden sich auch die meisten der 52 Toiletten. Die Etage ist insgesamt über sechs Treppenaufgänge und zwei Fahrstühle zu erreichen.

7. Pressebereich: Der Raum, in dem die Pressekonferenzen stattfinden und in dem sich die Journalisten aufhalten können, ist in der Mitte der Ebene eins und somit zwischen den beiden Bewirtungszonen. Von der Einlaufzone führt eine Treppe direkt zum Presseraum. Für die Journalisten stehen 110 Quadratmeter Arbeitsfläche zur Verfügung. Insgesamt kennzeichnen kurze Wege die neue Haupttribüne des Auestadions, sagt Architekt Engelhard. Das Anliegen der Architekten war, möglichst alles nah beieinander zu haben.

8. Fahrstühle: Zwei Aufzüge führen an der Haupttribüne zu den Ebenen.

Galerie

Südkurve mit Videowand

Über der Südkurve des Auestadions wächst im Sommer 2011 eine der größten Videowände Deutschlands. Ein halbes Dutzend der insgesamt 42 Monitore ist am 28. Juni 2011 bereits montiert. Sie alle zusammen liefern auf einer Fläche von 72 Quadratmetern ein gestochen scharfes Bild.[1]

Zur Baugeschichte des Auestadions

Auestadion Kassel im Oktober 2010
Auestadion Kassel im Oktober 2010

siehe auch

Sportfotos

Bildergalerie Historische Sportfotos:

Weitere Bilder in unserem Portal Historische Sportfotos.

Weblinks und Quellen

  1. Aus HNA.de vom 28. Juni 2011: 72 Quadratmeter große Videowand im Auestadion wird installiert
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