Carolyn Christov-Bakargiev

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Die amerikanisch-italianische Kuratorin, Autorin und Ausstellungsmacherin Carolyn Christov-Bakargiev (* 2. Dezember 1957) ist auf Vorschlag der Findungskommission im Jahr 2008 einstimmig vom documenta-Aufsichtsrat zur künstlerischen Leiterin der documenta 13 berufen worden.

Inhaltsverzeichnis

Zweite Frau an documenta Spitze

Christov-Bakargiev ist nach Catherine David, die 1997 die documenta X leitete, die zweite Frau an der documenta-Spitze. Dass die Wahl nichts mit einer Frauenquote zu tun hat, verdeutlichte der Sprecher der Findungskommission bei der Vorstellung der documenta-Leiterin: In der Endrunde der Beratungen befanden sich von den sechs Kandidaten ausschließlich die drei Frauen in der engsten Auswahl.

Leben

Sie lebt und arbeitet seit über drei Jahrzehnten in Italien, wohin ihr bulgarischer Vater 1946 kam. Ihre Mutter ist Italienerin. Die Eltern gingen in die USA, wo Carolyn Christov-Bakargiev in New Jersey geboren wurde. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter: Lucia und Rosa.

Werdegang

Nach ihrem Literatur- und Kunstgeschichtsstudium, das sie 1981 mit einer Arbeit über das Verhältnis von zeitgenössischer Malerei und Dichtung mit magna cum laude abschloss, begann sie in Pisa, für Zeitungen über Kunstausstellungen zu schreiben. Doch dieser distanzierte Blick von außen behagte ihr nicht. Sie wollte näher ran an die Kunstwerke und deren Schöpfer. Deshalb verlegte sie sich auf Künstlergespräche und Interviews. Durch die Aufforderung der Künstler wurde sie zur Ausstellungsmacherin.

Ihre ersten Schritte tat sie auf diesem Feld in Rom, wo sie mit Künstlern wie Dan Graham, Mario Merz, Rodney Graham und Sol Lewitt zusammenarbeitete.

Intensiv hat sie sich mit der Arte Povera (italienische Kunstrichtung der 60er-Jahre) in einem Buch beschäftigt. Eines ihrer großen Ausstellungsprojekte galt dem Werk des Zeichners, Filmers und Autors William Kentridge.

Im italienischen Turin leitet sie seit 2002 das Castello die Rivoli Museum für zeitgenössische Kunst.

Ausstellungen

Sie war Jury-Mitglied bei der 49. Biennale von Venedig und von 1999 bis 2001 Kuratorin für das P.S.1 in New York. 1993 hatte Carolyn Christov-Bakargiev für die Biennale in Venedig eine Hommage für John Cage organisiert. Ebenfalls 1993 gehörte sie zum Kulturhauptstadt-Team in Antwerpen. 1997 leitete sie das Projekt Citta-Natura, an dem Künstler wie Lawrence Weiner, Giovanni Anselmo, Mario Merz, Marisa Merz, Jannis Kounellis, Willie Doherty, Gary Hill und Mark Dion beteiligt waren und das in Museen in Rom, auf öffentlichen Plätzen und sogar im Zoo inszeniert wurde. 1998 bis 2000 leitete sie gemeinsam mit Laurence Bossé und Hans Ulrich Obrist in Rom das Projekt "La Ville, le Jardin, la Memoire" (Die Stadt, der Garten, die Erinnerung) in der Villa Medici. Sie betreute Ausstellungen in Sydney. In Sydney bezog sie eine Insel mit ein, die als Gefängnisinsel in Verruf und Vergessenheit geraten war.

Zusammenarbeit mit Künstlern

Liste der Künstler, mit denen sie gearbeitet hat

Von sich selbst sagt Christov-Bakargiev, dass sie der klassischen Avantgarde verpflichtet und offen für die neuen Kräfte der Kunst ist. Nicht eine globale Ausstellung sage ihr zu, sondern einzelne künstlerische Werke. Als Beispiele führt sie die Stuhlkreise von Ai Weiwei und die wie Antriebselemente geformte Naturobjekte von Simryn Gill (2007) und die Bildertische von Andreas Siekmann (2002) an. Sie nannte nur die Namen der documenta-Gründungsväter Arnold Bode und Werner Haftmann als Vorbilder für ihre Arbeit.

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Einzelausstellungen erarbeitete sie unter anderem für Georges Adeagbo, Santiago Sierra, Michael Rakowitz und Nedko Solakov, Takashi Murakami und Doris Salcedo sowie William Kentridge und Janet Cardiff. Sie widmete sich der jüngeren Kunst ( The Moderns / I moderni, 2003) ebenso wie einem Rückblick auf die 80er-Jahre. Als P.S.1-Kuratorin inszenierte sie in New York eine Ausstellung mit 120 amerikanischen Künstlern der jüngeren Generation. In der Ausstellung "Faces in the Crowd" (Gesichter in der Menge) untersuchte sie 2004/05 die Geschichte der Figuration von Édouard Manet bis zu Anri Sala, Song Dong and Destiny Deacon. In der Schau waren Gemälde, Skulpturen, Fotos, Videos und Installationen von 100 Künstlern seit 1873 vertreten.

Laut FAZ waren in der Kandidaten-Schlussrunde für die documenta 13-Leitung neben Carolyn Christov-Bakargiev vom Turiner Castello di Rivoli, der derzeit am «New New Museum» in New York tätige Kurator Massimiliano Gioni, Lisette Lagnado aus Brasilien, Wiktor Missiano aus Russland, Douglas Fogle sowie Catherine de Zegher aus den USA. Wie Kasper König, der Direktor des Museums Ludwig in Kön, als Sprecher der Findungskommission erklärte, waren unter den letzten drei ausschließlich die Kandidatinnen.

3. 12. 2008

siehe auch


Weblinks und Quellen

Artikel aus der HNA vom 4. Dezember 2008

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