Dorothea Viehmann

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Dorothea Viehmann

Katharina Dorothea Viehmann (* 8. November 1755 in Rengershausen; † 17. November 1815) war wohl die berühmteste Märchenbeiträgerin der Brüder Grimm.

Inhaltsverzeichnis

Aus dem Leben

Es war einmal ein Zufall. Der ließ Jacob und Wilhelm Grimm im Jahre 1813 die Gastwirtstochter und Schneidersfrau Dorothea Viehmann kennen lernen. Sie sollte die wichtigste Märchenbeiträgerin des Bruderpaars werden, das ihr im Vorwort des zweiten Bands der berühmten Kinder- und Hausmärchen (1815 erschienen), ein literarisches Denkmal setzte. Malerbruder Ludwig Emil fügte später ein bildliches hinzu. Es ist hier zu sehen.

1755 kam die "in aller Welt wohl berühmteste hessische Frau", so Dr. Bernhard Lauer, Direktor des Kasseler Brüder-Grimm-Museums, als Tochter der hugenottischen Familie Pierson im Gasthaus "Zum Birkenbaum", der heutigen Knallhütte bei Rengershausen zur Welt. Bis 1787 lebte sie auf dem Anwesen, schon damals Brauerei und Gasthaus, ehe sie mit ihrem Ehemann, dem Schneider Nikolaus Viehmann, nach Niederzwehren zog. Das Dorf lag damals noch vor den Toren Kassels.

Als „arme Bäuerin aus wohlhabendem Hause“ wird Dorthea Viehmann in einem 2012 von Holger Ehrhardt (Grimm-Stiftungsprofessor an der Universität Kassel) herausgegebenen Buch beschrieben. Denn sie war nicht nur die „Bäuerin aus dem nah bei Cassel gelegenen Dorfe Zwehrn“, die „einen ansehnlichen Theil der hier mitgetheilten, darum ächt hessischen, Märchen“ beigetragen hat, wie es im 2. Band der Märchensammlung der Brüder Grimm hieß. Doch als die Brüder Grimm die Viehmännin als Märchenerzählerin entdeckten, lebte sie bereits in ärmlichen Verhältnissen und hatte den Gasthof Knallhütte, auf dem sie aufgewachsen war, längst verlassen.[1]

Mann und Kinder - sie gebar sieben, von denen drei bald starben - ernährte die Viehmännin damals mit dem Verkauf bäuerlicher Produkte in Kassel. Dort lernte sie auf Empfehlung des Priesters Ramus von der Carlskirche 1813 die Brüder Grimm kennen, denen sie um die 40 Geschichten erzählte. Der Kontakt währte allerdings nur etwa zwei Jahre, am 17. November 1815 starb Dorothea Viehmann.

Die Märchenfrau

Dorothea-Viehmann-Brunnen
am Brauhaus Knallhütte
Foto: Hütt-Brauerei

Es war einmal ein Zufall ...

Es war einmal ein Zufall. Der ließ Jacob und Wilhelm Grimm im Jahre 1813 die Gastwirtstochter und Schneidersfrau Dorothea Viehmann kennen lernen. Sie sollte die wichtigste Märchenbeiträgerin des Bruderpaars werden, das ihr im Vorwort des zweiten Bands der berühmten Kinder- und Hausmärchen (1815 erschienen), ein literarisches Denkmal setzte. Malerbruder Ludwig Emil fügte später ein bildliches hinzu. Es ist hier zu sehen.

Geboren wurde Dorothea im "Gasthaus zum Birkenbaum", der heutigen Knallhütte, bei Rengershausen, einem Ortsteil der heutigen Stadt Baunatal, südlich der Stadt Kassel, damals wie heute der Standort eines Gasthauses und einer Brauerei. Dieser Umstand spielte zu den Zeiten der Brüder Grimm eine wichtige Rolle. Erst mit 32 Jahren zog die Märchenfrau nach Niederzwehren. Dorothea Viehmann erzählte den Grimms wohl um die 40 Geschichten, die sie mutmaßlich von durchreisenden Kaufleuten, Handwerksburschen, Fuhrleuten und Soldaten, aber auch in der Familie gehört hatte. Zu 37 der über zweihundert Kinder- und Hausmärchen steuerte sie Grundlagen oder Ergänzungen bei. Die wohl bekanntesten dürften "Aschenputtel" und die "Bremer Stadtmusikanten" sein, diese allerdings stammen mehrheitlich von anderen Beiträgern. Komplett auf Dorothea Viehmann zurück gehen zum Beispiel die "Gänsemagd" oder "Der Teufel und seine Großmutter". Superhits wie "Hänsel und Gretel", "Rotkäppchen" oder "Schneewittchen" wiederum hörten die Märchensammler anderswo.

Lassen wir die Brüder Grimm selbst zu Wort kommen: "Einer jener guten Zufälle aber, war die Bekanntschaft mit einer Bäuerin aus dem nah bei Cassel gelegenen Dorfe Zwehrn, durch welche wir einen ansehnlichen Theil der hier mitgetheilten, darum ächt hessischen, Märchen (…) erhalten haben. Diese Frau, noch rüstig und nicht viel über fünfzig Jahr alt, heißt Viehmännin, hat ein festes und angenehmes Gesicht, blickt hell und scharf aus den Augen, und ist wahrscheinlich in ihrer Jugend schön gewesen."

Ehrentafel auf dem Friedhof in Niederzwehren

Weiter heißt es sinngemäß, dass Dorothea Viehmann jede Einzelheit in ihrem Gedächtnis bewahre, bedächtig, sicher und ungemein lebendig mit eigener Freude daran erzähle - und dass sie auf Wunsch langsam zum Mitschreiben spreche. Besonders heben die Grimms heraus: "Niemals ändert sie bei einer Wiederholung etwas in der Sache ab, und bessert ein Versehen, sobald sie es bemerkt, mitten in der Rede gleich selber." Mehrfach betonen die Märchenbrüder außerdem, dass die Viehmännin eine einfache, ältere Frau aus dem Volke sei.

Heute weiß man: Das war Marketingstrategie der Grimms. Denn jene hatten sich zum Ziel gesetzt, mit ihren Sammlungen die unverdorbene und urwüchsige Poesie des Volkes der Nachwelt zu erhalten. Da passte es nicht gut, dass die Mehrzahl ihrer Märchenquellen in Familien des Adels und des gehobenen Bürgertums sprudelte.

Die Viehmännin, in der Tat arm, erfüllte indes das Klischee: Sie war die stockhessische Märchenfrau aus dem einfachen Volk, die Unverfälschtes und Ursprüngliches erzählte - gehört vor allem im Gasthaus der väterlichen Brauerei. Doch dieses Bild muss relativiert werden, sagt Lauer: "Auch Dorothea Viehmann war eine gebildete und weltoffene Frau." Sie besaß Wurzeln nicht nur in der deutschen, sondern auf Grund ihrer hugenottischen Abstammung ebenso in der französischen Kultur. Sie beherrschte die französische Sprache in Wort und Schrift. So weist nach Auffassung der Wissenschaft der Nachlass der Viehmännin weit über Ländergrenzen hinaus. Sie trug vor mehr als zweihundert Jahren zur europäischen Überlieferungstradition bei, deren sich auch die Grimms bewusst waren.

Und wenn sie nicht schon zwei Jahre nach Kennenlernen der Grimms am 17. November 1815 gestorben wäre, dann hätten die Brüder wohl noch mehr Märchen aus dem Munde der Dorothea Viehmann niedergeschrieben. Den dritten Band ihrer Sammlung nahmen sie vermutlich deshalb nicht mehr in Angriff, weil diese Quelle versiegt war.

Aufgrund der hugenottischen Herkunft von Dorothea Viehmann fanden auch eine Reihe von französischen Märchenvariationen Eingang in die Märchensammlung der Brüder Grimm. Zu dem Märchen Der arme Müllerbursch und das Kätzchen, das die Brüder Grimm von der „Viehmännin“ erzählt bekamen, heißt es etwa, dass hier die hugenottische Abstammung der Dorothea Viehmann besonders deutlich werde, denn es besitze sehr viel Ähnlichkeit mit dem französischen Feenmärchen Die weiße Katze (La chatte blanche).

Falsches Todesjahr der Märchenerzählerin

Falsches Todesjahr der Dorothea Viehmann im Stempel † 17.11. 1815
Die Briefmarkensammler aus dem Verein der Briefmarkenfreunde Baunatal e.V. kannten die richtige Zahl erklärt deren Vorsitzender Klaus Dieter Riedel. Der Vorsitzender Prof. Erhard Mörschel, des Verbandes der Philatelisten-Vereine Hessen und Rhein-Main-Nahe, schenkte indes einem seiner Bücher Glauben und ließ die Viehmännin 1816 sterben. (HNA 03.04.2004 von Olivia Heß)

61 Jahre soll Märchenerzählerin Dorothea Viehmann geworden sein. So steht es zumindest auf dem Sonderstempel der Briefmarkensammler, der zur Verbandstagung der Philatelisten-Vereine Hessen, Rhein-Main-Nahe in der Baunataler Stadthalle entworfen wurde.

"Dass 1816 nicht stimmen kann, ist mir gleich aufgefallen", sagt Ria Ahrend, die als Baunataler Mundartdichterin und Buchautorin bekannt geworden ist. Und sie sollte es doch wissen. Schließlich war Dorothea Viehmann ihre Ururgroßtante zweiten Grades.

Als Mitglied des Niederzwehrener Dorothea-Viehmann-Heimatvereins beschäftigt sich Ahrend intensiv mit dem Leben ihrer Ahnin und weiß, dass die Märchenerzählerin bereits 1815 starb. Bestätigt wird Ahrends Aussage in der Erstausgabe des zweiten Bandes der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Im Vorwort hatte Wilhelm Grimm neben den Erklärungen zu Dorothea Viehmann handschriftlich vermerkt: Gestorben am 17. November 1815 abends. Der Nachdruck des Sammelbandes befindet sich in der Bibliothek des Brüder-Grimm-Museums in Kassel, die dienstags und donnerstags von 12 bis 16 Uhr geöffnet hat.

Die Briefmarkensammler aus dem Verein der Briefmarkenfreunde Baunatal e.V. kannten die richtige Zahl. Wir haben uns auf die Stadtchronik und die Ehrentafel auf dem Niederzwehrener Friedhof berufen, erklärt deren Vorsitzender Klaus Dieter Riedel. Denn auch dort ist 1815 als Todesjahr der Märchenerzählerin angegeben. Prof. Erhard Mörschel, Vorsitzender des Verbandes der Philatelisten-Vereine Hessen und Rhein-Main-Nahe, schenkte indes einem seiner Bücher Glauben und ließ die Viehmännin 1816 sterben. Riedels Überzeugungskraft reichte nicht, den Fehler zu verhindern. Der Sonderstempel mit dem Schönheitsmakel wurde von der Post in Bonn auf die Briefumschläge, die bei den Baunatataler Briefmarkensammlern abgegeben wurden, gedruckt. Eine postalische Rarität flatterte also in die Briefkästen der Aktions-Teilnehmer.

Wertvoller wird der Stempel durch das Missgeschick jedoch nicht, glaubt Riedel. Für Philatelisten, die sich auf fehlerhafte Briefmarken und Poststempel spezialisiert haben, wird er zumindest Grund sein, sich einmal intensiver mit der Geschichte der Märchenerzählerin zu beschäftigen. Da der Sonderstempel nur einen Monat gültig ist, wird er anschließend im Postmuseum in Frankfurt ausgestellt sein. Das richtige Todesjahr von Viehmann steht aber auf den Briefumschlägen, die wir verkaufen, sagt Riedel vom Baunataler Briefmarkenverein.

Denkmal

Viehmann-Denkmal in Schöneberg

Im Hofgeismarer Stadtteil Schöneberg wurde zu Ehren von Dorothea Viehmann ein Denkmal errichtet, das von der Künstlerin Karin Bohrmann-Roth gestaltet wurde.

Hintergrund ist, dass die Vorfahren väterlicherseits Hugenotten waren, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes Ende des 17. Jahrhunderts nach Hessen-Kassel gekommen waren und zunächst in Schöneberg ansässig wurden.

Katharina Dorothea Pierson, so ihr vollständiger Name, war die Urenkelin von Isaac Pierson (1663 bis 1741), dem ersten Schöneberger Greben (Dorfvorsteher), der im Jahre 1699 mit anderen Glaubensflüchtlingen in diesem Bereich des alten mittelalterlichen Dorfers "Bünichheim" angesiedelt worden war. Das Denkmal in Schöneberg zeigt Isaacs Sohn Jean Frédéric Pierson (1698 bis 1777), der durch Einheirat Brauherr auf der "Knallhütte" in der Nähe von Kassel geworden war, wie er seiner Enkelin Dorothea das Märchen von Dornröschen erzählt.

Am Brauhaus Knallhütte wurde der Dorothea-Viehmann-Brunnen errichtet. Im Brauhaus tritt an jedem Samstag ab 17.30 Uhr eine Märchenerzählerin als Dorothea Viehmann auf.

Dorothea Viehmann - Schule

Nach Dorothea Viehmann wurde die Dorothea-Viehmann-Schule benannt und am 16. November 1905 feierlich eingeweiht. Sie liegt in Niederzwehren an der Korbacher Straße. Das 100-jährige Jubiläum im Jahre 2005 wurde mit einem Lampionsternumzug der Schülerinnen und Schüler durch Niederzwehren begangen.

Literatur

siehe auch

Weblinks und Quellen

Weblinks

Zeitungs-Artikel


  1. W. Schwerdt, Rezension: Dorothea Viehmann, 16. März 2013
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