Friedrichsplatz

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Landgraf-Friedrich-Statue

Der Friedrichsplatz, zwischen Schöne Aussicht und Obere Königsstraße im Zentrum Kassels gelegen, von Fridericianum im Nordosten und Oberneustadt im Südwesten begrenzt, galt schon früher als einer der schönsten und größten Plätze in Kassel. Er wird regelmäßig als Ausstellungsort der Kunstausstellung documenta genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Einst und Jetzt

Das Marmorstandbild von Landgraf Friedrich II. steht heute am südwestlichen Rand des rechteckigen Platzes.

Es stand noch in den 1930er-Jahren des im Schnittpunkt diagonaler Fußwege, also in der Platzmitte. Auch die "Blickrichtung" von Friedrich wurde verändert: von "nach Südwesten" heute "nach Nordosten". Johann August und Samuel Nahl schufen die Statue von 1781 bis 1783.

Auch veränderte der Platz nach dem Zweiten Weltkrieg des öfteren sein Aussehen und diente auch immer wieder der documenta als Freiluft-Ausstellungsareal.

So wurden vor der "Stadtverwaldung: 7000 Eichen" von Joseph Beuys dessen Basaltsteine hier gelagert; auch wurde hier "Der vertikale Erdkilometer" versenkt und mit einer Bodenplatte kenntlich gemacht.

Noch heute beobachten "Die Fremden" (bunte Keramikfiguren) von einem Balkon an der "historischen" Seite eines Kaufhauses aus das Geschehen auf dem Friedrichsplatz.

Zeitweilig stand wegen der umfangreichen Renovierung des Staatstheaters Kassel das Kuppeltheater für mehrere Jahre hier.

Architektur rund um den Friedrichsplatz

Landgraf-Friedrich-Statue
Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte "Weiße Palais" an der Ecke Friedrichsplatz/ Obere Königsstraße; ganz rechts die erhalten gebliebene Fassade des Nahlschen Hauses

Die Bauzeit des Platzes dauerte von 1769 bis 1779. Die lange Bauzeit lässt sich dadurch erklären, dass das Gebäude auf dem ehemaligen Festungsgelände errichtet wurde.

Historische Bauten

Das Museum Fridericianum wurde von zwei freistehenden Gebäuden flankiert, die ebenfalls nach Plänen von Simon Louis du Ry erbaut worden waren: An der Ostecke stand die Elisabethkirche von ca. 1770, an der Ecke zur Königsstraße das Palais von Jungken (1767-1769). Zwischen den drei Gebäuden erstreckten sich Gärten mit dichten Baumreihen. Nach dem Ende des Königsreichs Westfalen wurde das ehemalige Palais von Juncken als Palais des Kurprinzen Wilhelm ausgebaut (später das sogenannte Weiße Palais) und nach seiner Regierungsübernahme 1821 um das Rote Palais zur neuen kurfürstlichen Stadtresidenz erweitert. Als Gegenstück entstand bald darauf zwischen Museum Fridericianum und Elisabethkirche das Hofverwaltungsgebäude.

Unter den angrenzenden Bürgerhäusern ist vor allem das Haus des Hofbildhauers J. A. Nahl hervorzuheben (Königsstraße 41); die Fassade war mit Bildhauerarbeiten und Stukkaturen verziert, das Innere aufwendig mit Malereien seines Sohnes A. Nahl ausgestattet.

Hugenotten hinterließen Spuren

Mauern und Grundrisse der alten Hugenottenbebauung der Oberneustadt waren im Jahr 2000 in einer Baugrube am Rande des Friedrichsplatzes sichtbar geworden. Ebenso waren Teile alter Festungsanlagen in der Baugrube für ein unterirdisches Parkhaus unter dem Friedrichsplatz ans Tageslicht gekommen. Fragmente sind auch nach dem Bau und Inbetriebnahme sichtbar ge- und erhalten. Das Parkhaus gehört heute zur Königs-Galerie.

Das wohl vornehmste Weinlokal und Café am Platze hat hier gestanden. Jeden Nachmittag gab es im Gasthaus „Zur Tante” nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Live-Musik. Die rauschenden Maskenbälle und Silvesterfeiern waren legendär. Die „Tante” war angesagt - Kassel traf sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Quartier zwischen Friedrichs- und Karlsplatz. In der Bombennacht im Oktober 1943 wurde auch dieser historische Ort zerstört.

Die wechselvolle Geschichte des im typischen Stil der hugenottischen Oberneustadt gebauten Hauses geht indes bis in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Im Zuge des Abrisses des ehemaligen „Fruchtlädchens” Ecke Friedrichsplatz/Obere Karlsstraße wurden im Jahr 2000 die baulichen Ursprünge der Häuser Friedrichsplatz 7 und 8 sichtbar: Sandsteinkeller mit Gewölben, Rundbogen Ziegelmauerwerk und vieles mehr.

Erbaut wurden die Häuser 1720 von Hugenotten. Aus dieser Zeit wurde außer Mauerwerk jedoch nichts mehr gefunden. Dafür um so mehr aus unserem Jahrhundert: Eierkohlen und Trümmerschutt auf dem Grundstück Nr. 8, Teller, beschriftete Biergläser, Fleischplatten, Aschenbecher und anderes aus dem Gasthaus-Inventar auf dem Grundstück Nr. 7.

Der Friedrichsplatz heute

Skulptur
"Den Opfern der Gewalt"

Im Bereich der westlichen Ecke des Platzes findet man inmitten der belebten Geschäftigkeit dieses Ortes auf einem grauen Betonsockel die Skulptur "Den Opfern der Gewalt" des bedeutenden russischen Bildhauers Vadim Sidur. Die Aufstellung dieser Skulptur im Jahr 1974 wurde von einer Bürgerinitiative ermöglicht, die das Geld aufbrachte, mit dem der zunächst kleinformatige Entwurf als Skulptur im Stadtraum verwirklicht werden konnte. Sidur, dessen Werk in Russland erst seit dem Fall der Mauer Ende der 1980er-Jahre zu sehen ist, starb 1986 in Moskau.

Parkhaus

In den 1990er-Jahren erfolgte die grundlegendste Veränderung: Fast der gesamte Platz wurde ausgeschachtet und ein unterirdisches "Parkhaus" mit mehreren Parkdecks angelegt.

documenta-Halle

Die im Jahre 1992 fertig gestellte documenta-Halle gräbt sich tief in den Steilhang des Fuldatals ein. Aus einem bundesweiten Wettbewerb Ende 1989 ging der Entwurf der Architekten Jourdan und Müller als Sieger hervor. Als einzige von 137 eingereichten Arbeiten sah diese einen Standort parallel zu dem bestehenden Staatstheater am Rande des Auehangs vor. Es entstand ein multifunktional nutzbares Gebäude mit Ausstellungsflächen unterschiedlicher Qualität und Größe.

Frei geblieben ist der Blick vom Friedrichsplatz zur Karlsaue und zur Orangerie.

Zur heutigen Architektur des Platzes zählen etwa

Fridericianum

Fridericianum
(Foto: Günther Pöpperl)

Als Landgraf Friedrich II. die Nordostseite des Friedrichsplatzes in Kassel bebauen ließ, beschloss er, die zentrale Mitte dieser Schauseite nicht mit einem Schloss oder Regierungsgebäude zu bebauen, sondern mit einem Museumsgebäude. Ein Zeichen seiner Auffassung der Aufklärung und der Bildung.

Das Museum Fridericianum war dafür bestimmt, die umfangreiche landgräfliche Kunstsammlung und die Bibliothek aufzunehmen. Hier konnte sich nun der Bürger gegen ein Eintrittsgeld die Sammlung anschauen, was im 18. Jahrhundert etwas völlig Neuartiges war.

Normalerweise konnte man sich damals die fürstlichen Kunstschätze nur auf Einladung oder Empfehlung ansehen und war für den Normalbürger selten zugänglich. Doch Landgraf Friedrich war bestrebt, seine Untertanen zu bilden. So ist mit dem Museum Fridericianum auch der erste Museumsbau auf dem europäischen Kontinent entstanden. Vorbild war das Britische Museum in London.

Architekt des Museum Fridericianum war Simon Louis du Ry. Du Ry schuf mit dem Museumsbau den ersten klassizistischen Baukörper in Deutschland.

Staatstheater Kassel

Feierlich wurde am 12. September 1959 das heutige Staatstheater am Friedrichsplatz mit 953 Plätzen vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn eingeweiht. Die Eröffnungspremiere war die Uraufführung eines Auftragswerkes von Rudolf Wagner Régeny „Prometheus“.

Am darauf folgenden Tag wurde das Schauspielhaus mit Schillers „Maria Stuart“ eingeweiht.

Nach fast 15 Jahren der Evakuierung mit dem Notquartier Stadthalle wurde das neue Staatstheater eröffnet.

Zwehrenturm

Zwehrenturm mit Ottoneum
Skulptur auf dem Kirchturm von St. Elisabeth
Blick über die Dächer von Kassel

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wurde der Zwehrener Turm erst 1959/1960 wiederhergestellt.

Gerade die linke Ansicht vom Friedrichsplatz aus zeigt die gelungene architektonische Symbiose zwischen dem palastartigem Gebäude des Fridericianum und dem Zwehrenturm; seine oberen Balustraden um den oktogonalen Aufbau, auch die Balkone, kaschieren des Turmes Massivität, ohne ihm seine Imposanz zu nehmen.

Kirche St. Elisabeth

Die Kirche St. Elisabeth (auch Elisabethkirche) am Kasseler Friedrichsplatz geht zurück auf die älteste nach der Reformation errichtete katholische Kirche in Kassel.

Geschichte

Die im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstörte erste Elisabethkirche stand ebenfalls am Friedrichsplatz, allerdings an der Stelle des heutigen Staatstheaters. Sie wurde zur Zeit des Landgrafen Friedrich II. in den 1770 – 1777 errichtet und der heiligen Elisabeth geweiht.

Die heute nicht mehr erhaltene Kirche wurde im Auftrag des Landgrafen Friedrich II. von Hessen erbaut, der schon als Erbprinz im Jahre 1754 zum katholischen Glauben übergetreten war. Beim Bau der Kirche verwendete Hofbaumeister Simon du Ry das Motiv eines Zentralraumes auf kreisrundem Grundriß, den er mit einem rechteckigen Bauteil kombinierte. Der Kasseler Hofmusikers Christian Kalkbrenner (1755 - 1806) komponierte eigens für die Elisabethkirche eine Messe.

Als Hoforgelbauer erhielt Stephan Heeren von Landgraf Friedrich II. den Auftrag, 1774 die Orgel für die katholische Elisabethkirche in Kassel zu bauen.

Die heutige Elisabethkirche in Kassel wurde in den Jahren 1959/60 nach den Plänen des Architekten Armin Dietrich aus München erbaut. Auf dem Treppenpodest zur Empore fand der Sarg Friedrichs II. in einem Sarkophag seine Ruhestätte.

siehe auch

Weblinks

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