Hessenkampfbahn

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Hessenkampfbahn 2006
Foto:R.Stiehl

Die Hessenkampfbahn, ein Sportstadion, umzäunt und durch eine Hainbuchenhecke sichtgeschützt, befindet sich (aus der Sicht des heutigen Betrachters) hinter der Orangerie, und erstreckt sich bis zur Höhe der Drahtbrücke. Das durch die Fulda und die Kleine Fulda begrenzte Gelände nannte man früher Voraue.

Das Stadion, über 200 m lang, ist gegenwärtig der wichtigste Veranstaltungsort für Schulsportwettkämpfe und regionale Sportveranstaltungen.

Die Anlage "Hessenkampfbahn" mit Bauwerken und Tribünenanlagen, die nach zweijähriger Bauzeit im Jahr 1926 fertiggestellt und eingeweiht wurde (siehe auch den dortigen Artikel "Schnellste Kampfbahn in Deutschland"), steht unter Denkmalschutz.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Areals: Voraue

Voraue Cassel merian 1646
Landgraf Wilhelm IV. ließ ab 1568 auf der Spitze der Fuldainsel zwischen den Fulda-Armen große und kleine Fulda im Bereich der heutigen Orangerie und Hessenkampfbahn einen ummauerten Renaissance- Schlossgarten, Kassels ältestem Residenzgarten, mit einem Orangen- und Pomeranzenhaus anlegen.

Hier baute er übrigens als einer der ersten deutschen Fürsten italienische Tarouphli, eine Art Speisekartoffeln an.

Er errichtete 1570 dort das kleine Schloss „Mauritianum“.

Sein Sohn Moritz der Gelehrte (1572–1632) vergrösserte die Aue zur Moritz-Au.

Landgraf Karl wiederum vergrösserte ab 1680 das Ganze nochmals zur Karlsaue mit Orangerie.

Die Hauptachse der barocken Parkanlage ging durch den offenen Tordurchgang des Orangerie-Mittelbaus hindurch, wodurch die Voraue, das heutige Hessenkampfbahngelände, und der übrige Park hinter der Orangerie miteinander verbunden blieben.

Die Voraue wurde später vielfach als Ausstellungs- bzw. als Gelände für Industrie-, Gewerbe-und Fachausstellungen verschiedenster Art genutzt. So z.B. 1870:

"Am Montag, dem 20. Juni 1870, unterbrach der preußische König - der spätere Kaiser Wilhelm I. seine Reise von Berlin zur Kur nach Bad Ems in Kassel. In der Fuldastadt war am 1. Juni desselben Jahres auf dem Gelände des Orangerieschlosses und der heutigen Hessenkampfbahn eine Schau eröffnet worden, wie Kassel sie bisher nie erlebt hatte und die den ganzen Sommer 1870 über laufen sollte; die Allgemeine Industrie-Ausstellung für das Gesamtgebiet des Hauswesens." 1

Schnellste Kampfbahn in Deutschland

Voraue nach einer Postkarte von 1898
Ausstellungsgebäude in der Karlsaue bei Kassel
s.a. Website messe-kassel
Unbekanntes Sportereignis aus der Zeit von 1928 bis 1930 auf der Hessenkampfbahn.
Horst Lieder, Jahrgang 1931, auf Kassel hat beim CSC 03 und beim BC Sport Fußball gespielt und wurde auch in Auswahlen des hessischen Verbandes berufen. Hier haben sich die Fußballer nach einem Lehrgang vom 25. Bis 29. April 1944 auf der Hessenkampfbahn in Kassel ablichten lassen. Horst Lieder liegt vorn im dunklen Trikot, Günter Siebert ist der Zweite von links in der mittleren Reihe.
Horst Riemenschneider, stellvertretender Kreisfußballwart Kassel, hatte in seinen Unterlagen noch ein Bild von der Mannschaft „Rechts der Fulda“, die 2001 zum 75. Geburtstag der Hessenkampfbahn gegen „Links der Fulda“ antrat. Zu sehen sind (hinten von links) Betreuer Horst Riemenschneider, Manfred Schütz, Reinhold Chorbacz, Bernd Neubert, Manfred Schröder, Frank Gabriel, Gerhard „Duce“ Reinbold, Bernd Sturm, (vorn) Hans-Jürgen Walter, Sigi Gail, Wolfgang Scherb, Lothar Alexi, Jürgen Obst, Peter Rabeneck und Berthold Mark. Riemenschneider schreibt dazu: Bis auf Bernd Sturm und Manfred Schütz (war mal Trainer beim BC Sport) haben alle anderen in der Hessen- und Landesliga für den BC Sport gespielt, das waren noch Zeiten.
Historisches Sportfoto: Dr. Max Danz siegt auf der Hessenkampfbahn

Im Jahre 1926 wurde die Hessenkampfbahn eingeweiht. Die Kasseler Post zählte 5000 Teilnehmer der "machtvollen Kundgebung für Turnen und Sport" aus 53 Vereinen und 20 000 Zuschauer zur Einweihung der Kampfbahn. Im weiten Rund der neuen Sportarena stehen "nur" 2000 Sitz- und 5000 Stehplätze zur Verfügung. Viele weichen aus, auf die Dächer von Orangerie und Regierung, stehen auf der Du-Ry-Straße, die eine "ausgezeichnete Galerie" bildet, sich aus der Entfernung das Schauspiel anzusehen. "Der Himmel, eine nasse, graue Leinwand, spannt sich wenig freundlich über die festlich geschmückte, von unzähligen Fahnen lustig umwimpelte Voraue." Die Freude der Anwesenden wird dadurch nicht getrübt an diesem Sonntag nachmittag, dem 2. Mai 1926.

Durch das Südtor marschieren die Sportler ein. Angeführt von den Mitgliedern des Kasseler Stadtverbandes für Leibesübungen mit Vorsitzendem Henner Riemann. Die Männer zu seiner Seite verkörpern eine ganze Epoche Kasseler Sportgeschichte: Kampmann, Burgtorff, Meister, Dörr, Wilhelm Buchenau. Es folgt der Sportverein "Kurhessen" 1893 mit seinem Banner, daneben rücken die Athleten des VfL Hessen-Preußen unter Emil Junghenns Führung ein. Begleitet wird der Zug der Turner, Leichtathleten, Schwimmer, Fußballer, Fahrradfahrer, Schiläufer, Schützen, Segler und anderer von schneidiger Marschmusik. Schließlich entbieten 1500 Sänger des Kurhessischen Sängerbundes einen musikalischen Gruß.

Der Plan, die sogenannte Voraue zu einer großen, städtischen Kampfbahn auszubauen, reifte nach dem Ersten Weltkrieg, weil die kleinen Sportplätze der Vereine nicht ausreichten. Triebfeder des Projektes, das "die gesamte Bürgerschaft in allen ihren Schichten" getragen habe, war unter anderem Oberbürgermeister Stadler. Das hob der oberste Beamte der Provinz, Oberpräsident Dr. Schwander, in seiner Rede hervor. Reg.-Baumeister Dr. Allstädt zeichnet als Architekt für die Umsetzung verantwortlich, Stadtrat Sauter schuf die Flachreliefs an den Terrassenaufgängen, die höheren Schulen Kassels sammelten insgesamt 6000 Mark als Anfangskapital.

In zweijähriger Arbeit entstand eine Anlage, die laut OB Stadler der "geistige und repräsentative Mittelpunkt des Turn- und Sportgedankens in Kurhessens Hauptstadt sein soll". Die Kampfbahn stehe zwar in "Größenverhältnissen hinter denen mancher anderer Städte" zurück, stelle aber durch "vorbildliche Anlage und Ausgestaltung des Platzes, durch ihre Lage im Herzen der Stadt und durch die räumliche Verbindung der Bahn mit den beiden Sportshäusern eine Hochburg sportlicher Bestrebungen" dar.

Bald erwarb sich die Sportstätte den Ruf als "schnellste Kampfbahn Deutschlands". Schon im August 1926 lief dort der Kasseler Hermann Walper deutschen Rekord über 2000 Meter in 5:34 Minuten wie auch die Meisterstaffel von Phönix-Karlsruhe über 4 x 100 m in 42:50 Sekunden. Aber nicht nur die Bahn war schnell, auch Sportlerinnen aus Kassel wie Leni Junker von der CT 44, sie lief bei den Meisterschaften der Deutschen Turnerschaft im Düsseldorfer Rheinstadion am 15. August mit 12:30 Sekunden über 100 m neue deutsche und Weltbestleistung.

Nachkriegszeit

Bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde sie von etlichen Bomben getroffen; sie diente auch als Treffpunt für die Suche nach Angehörigen.

1948 konnte die Anlage wieder als Sportanlage genutzt werden.

Sanierung

Bei den Feierlichkeiten des Hessentags wurde die Hessenkampfbahn durch das Befahren mit schweren Fahrzeugen derart beschädigt, dass sie einer Instandsetzung bedarf. Für viele Schulen im Umkreis ist die Hessenkampfbahn ein wichtiger Anlaufpunkt für den Schulsport, der während der Sperrung nicht möglich ist. Die Sanierung der Sportstätte soll daher im Oktober 2013, in den Herbstferien, stattfinden. Die Gesamtkosten werden auf knapp 20000€ geschätzt.

Weblinks

1 aus Website der Messe Kassel / Chronik


Rosmarie Stiehl

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