Hofgeismar - Altstädter Kirche

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Altstädter Kirche - Hofgeismar
Hofgeismar-AnderAltstädterKirche.jpg
Informationen
Baubeginn: 1150 (Umbau 1330)
Ev. Kirchenkreis: Hofgeismar
Anschrift: Altstädter Kirchplatz 5
34369 Hofgeismar
Tel. 05671 – 500292
Internet: Hofgeismar-Altstadt

Die Anfänge der Altstädter Kirche in Hofgeismar reichen zurück bis in das 12. Jahrhundert. Die Kirche ist eines der Wahrzeichen der Stadt Hofgeismar im Landkreis Kassel.

Glockengeläut:

Inhaltsverzeichnis

Bauwerk und Geschichte

Aus den Anfängen

Im Jahre 1223 wurden der Siedlung „Hove Geismari“ durch den Mainzer Erzbischof Siegfried II. Stadtrechte verliehen, nachdem sie sich bereits zum Mittelpunkt eines Kirchsprengels entwickelt hatte. Zum weltlichen Machtbereich des Erzbistums Mainz gehörte damals auch der Bereich zwischen Diemel und oberer Weser.

Innerhalb des Erzbistums bestanden Archidiakonate, Verwaltungsbezirke, denen Pröpste vorstanden. Diese verwalteten nicht nur das Kirchengut sondern übten auch die geistliche Gerichtsbarkeit aus.

Geschichtliche Urkunden erwähnen seit dem 13. Jahrhundert einen Archidiakonatssitz an der Altstädter Liebfrauenkirche, die der Gottesmutter Maria geweiht worden war. Falckenhainer (Geschichte hessischer Städte und Stifter, Band II, Cassel 1842, S. 473) erwähnt Hofgeismar schon seit dem Jahre 1143 als Sitz eines Probstes: „So wie der Probst von Fritzlar die geistlichen Geschäfte im Fränkischen Hessen überwachte, so leitete sie der Probst von Hofgeismar im Mainzischen Sachsen,“ heisst es bei ihm.

Nach einer Darstellung bei Philipsen (Christian Philipsen, Pfründen und Geistliche Steuer - Die Mainzer Archidiakonate Fritzlar und Hofgeismar im Spätmittelalter, Marburg 2010) bestand das Archidiakonat Hofgeismar aus einer sedes (Erzpriestersprengel) mit 42 Pfarreien.

Angegliedert war weiterhin ein Chorherrenstift, das seit dem 13. Jahrhundert bestand und im 14. Jahrhundert eine bewegte Geschichte erlebte. Nach der Darstellung des Jesberger Pfarrers Wilhelm Bach (Wilhelm Bach, Kurze Geschichte der kurhessischen Kirchenverfassung, Marburg 1832, S. 15 ff.) wurde das Chorherrenstift Anfang des 14. Jahrhundert durch den damaligen Mainzer Erzbischof Peter neu eingerichtet bevor es von seinem Nachfolger Matthias in die Heilig Geist - Kirche in Nordgeismar verlegt wurde (nach der Darstellung bei Falckenhainer die Kirche vom Heiligen Kreuz - s. S. 475). Unter Erzbischof Heinrich III. kam das Stift nach Gottsbüren (wo seinerzeit die Wallfahrtskirche Gottsbüren entstand), wurde dann von Erzbischof Gerlach 1355 nach Grebenstein verlegt, bevor es endlich unter Erzbischof Johann II. wieder an die Hofgeismarer Kirche zurückkam.

Im 16. Jahrhundert wurde aus der ehemaligen Stiftskirche das Gotteshaus der protestantischen Gemeinde in der Hofgeismarer Altstadt. Unter der Herrschaft des Landgrafen Philipp I. wurde Hofgeismar – inzwischen ein Städtchen der Landgrafschaft Hessen – protestantisch. Hessen gehörte neben Sachsen und Württemberg zu den Vorkämpfern der Reformation im Deutschen Reich.

Als letzte katholische Pfarrer an „unser leven frauen Kirche der alden Stadt Hovegeißmar“ werden Theodericus Thöne und Johann Moller im Jahre 1523 urkundlich erwähnt (vgl. Falkckenhainer, a.a.O., S. 478). Nach seiner Darstellung war der erste evangelische Prediger an der Altstädter Kirche Johann Rotmoller. Als erster evangelischer „Diaconus“ wird Johannes Westermann genannt, ein ehemaliger Augustinermönch. Im Jahre 1524 wurden die von ihm in der Brüderkirche in Lippstadt gehaltenen Fastenpredigten gedruckt, ein frühes Zeugnis der Reformationsbewegung in Westfalen. Als er 1535 der Stadt Lippstadt verwiesen wurde, kam er nach Hofgeismar, wo er 1542 starb.

Aus der Geschichte des Bauwerks

Im 12. Jahrhundert wurde mit dem Bau der ehemaligen Stiftskirche "Unserer Lieben Frau" begonnen, die heute zu den bedeutendsten hessischen Hallenkirchen zählt. Die romanische Schallarkade im Westturm und der romanische Türzieher (Löwenkopf) am Turmeingang sind Zeugnis der einstigen romanischen Pfeilerbasilika, die ab dem Jahre 1330 unter Beibehaltung des Westturms zu einer dreischiffigen, gotischen Hallenkirche umgewandelt wurde. Die Altstädter Kirche erfuhr anschließend im Laufe der Jahrhunderte noch verschiedene Umbauten.

Chorraum

Nachdem zunächst die Gewölbe im Mittel- und Südschiff der Kirche entstanden waren, schloss sich etwa zur Mitte des 15. Jahrhunderts die Errichtung des nördlichen Kirchenschiffs an.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der ursprüngliche gotische Langchor der Kirche durch den heutigen kleineren Chor ersetzt und die Kirche erhielt auch eine verkleinerte Sakristei in ebenfalls neogotischer Form.

Die Chorfenster der Kirche mit figürlichen Darstellungen stammen aus der Zeit danach.

Der Kirchturm soll im Mittelalter ursprünglich eine achteckige Pyramide getragen haben, die offenbar höher war als der Unterbau. Im 18. Jahrhundert wurde diese durch den heutigen, wesentlich niedrigeren "Helm" mit einer Wetterfahne aus dem Jahr 1738 ersetzt.

Innenansicht

Der Haupteingang der Kirche war im Mittelalter das sorgfältig gestaltete Südportal, das - anders als das Nordportal - auch heute noch als Kircheneingang dient. Über dem Protal befand sich ursprünglich oberhalb des in Stein gehauenen "Mainzer Rads" eine Darstellung zu Ehren der Gottesmutter Maria, der Schutzheiligen der Kirche; von der "Marienkrönung" gibt heute nur noch ein Torso Zeugnis.

Betritt man vom Südportal her die Kirche liegt im Osten der schlichte Altar mit einem modern gestalteten Kruzifix, dahinter der Chorraum, in dem zwei mittelalterliche Chorbänke ihren Platz gefunden haben.

Das im 19. Jahrhundert erneuerte Westportal mit Abgüssen der romanischen Türzieher führt den Besucher der Kirche dagegen zunächst über ein paar Stufen hinunter in die Eingangshalle des ehemaligen romanischen Wehrturms aus dem 12. Jahrhundert.

Von dort gelangt man von Westen her in das Kirchenschiff, an dessen nördlicher Außenwand nach der Sanierung der Kirche im Jahre 1982 die neue Orgel der Firmen Schmid und Euler aufgestellt wurde.

Im Südschiff der Kirche haben der Hofgeismarer Passionsaltar und der spätromanische Taufstein der Kirche ihren Platz gefunden, beide aus dem frühen 14. Jahrhundert.

Galerie

Wehrturm
Westeingang
Kirchenschiff


Hofgeismarer Passionsaltar und mittelalterliche Wandmalereien

Zur wertvollen Ausstattung der Altstädter Kirche gehört seit 1889 der Hofgeismarer Passionsaltar aus der Zeit um das Jahr 1310.

Der Altar, ein frühgotisches Tafelwerk, von dem heute noch die beiden Altarflügel mit jeweils zwei Feldern vorhanden sind, wird dem ehemaligen Franziskanerkloster Hofgeismar zugeordnet. Es fehlt der Mittelteil mit wahrscheinlich vier Einzelfeldern.

Hofgeismarer Passionsaltar

Das vorhandene Tafelwerk stellt auf den beiden linken Tafeln den Beginn der Leidensgeschichte Jesu dar, beginnend mit dem Gebet am Ölberg und der Gefangennahme vor der Kreuzigung.

Auf den rechten Bildtafeln ist der gekreuzigte Jesu bereits von den Toten auferstanden und eine weitere Tafel zeigt Maria Magdalena am Grab des auferstandenen Heiland.

Auf der nicht mehr erhaltenen Mitteltafel fanden sich ursprünglich vier weitere Bilder mit der Kreuzigung Jesu im Mittelpunkt.

Während der Passionsaltar in früheren Jahren im Altarraum der Kirche aufgestellt war, ist sein Standort nach einer umfassenden Sanierung der Kirche zu Beginn der 1980-er Jahre etwas abseits an einer Kirchenwand (an der Westwand des Südschiffes).

Im Südschiff wurde auch der spätromanische Taufstein der Kirche aus dem Jahre 1320 platziert.

Die freigelegten Wandmalereien im Südschiff zeigen das mittelalterliche Motiv "Marter der Zehntausend" (an der Südseite der Kirche zum Altarraum hin) und an einem Pfeiler zwischen Süd- und Mittelschiff eine Darstellung des "Gnadenstuhls" (Gott-Vater hält den gekreuzigten Jesus).

Kirchenglocken

Nordansicht der Kirche
Ev. Dekanat am Altstädter Kirchplatz

Von Meister Johann von Halberstadt wurde im 14. Jahrhundert die älteste Glocke der Altstädter Kirche gegossen. Sie hat den Schlagton gis. [1]

Im Zweiten Weltkrieg wurden zwei Glocken eingezogen und 1952 durch zwei neue Glocken der Glockengießerei Rincker ersetzt. Die große Glocke (Abendmahlsglocke) hat den Schlagton dis, die kleine Glocke (Taufglocke) den Schlagton fis.

Literatur

Stadtkirchengemeinde Hofgeismar

"Der Graben ist überwunden", hieß es in einem Artikel der Hofgeismarer Allgemeine zu einem symbolischen Brückenschlag. Im wahrsten Sinne des Wortes schritten Mitglieder der ehemals eigenständigen Kirchengemeinden aus der Hofgeismarer Neu- und Altstadt am Sonntag, 24. Januar 2010 gemeinsam über eine behelfsmäßig aufgebaute Brücke auf dem Töpfermarkt im Bereich des Grabens und vollzogen für jeden sichtbar den Zusammenschluss beider Kirchengemeinden zur evangelischen Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Dekan Wolfgang Heinicke ging in Anwesenheit der Pfarrer Anne Vilmar und Jürgen Graul in seiner Ansprache auf die historische Bedeutung des Grabens ein, der die Hofgeismarer Stadtteile schon immer getrennt, aber auch vereint habe.

siehe auch

Spätromanischer Taufstein aus dem Jahre 1320

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. "Glocken-Klänge der Heimat" auf hr-online.de

Video

Weblinks

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