Karlsstraße
Aus Regiowiki
Bei Gründung der Kasseler Oberneustadt sollte die spätere Karlsstraße zunächst den nordwestlichen Stadtrand bilden; geplant waren lediglich vier Häuserblöcke beidseitig der Frankfurter Straße. Erst in der Folgezeit kamen weitere Häuserblöcke bis zur heutigen Königsstraße und zur Friedrichsstraße hinzu, und 1771-75 wurde in der Karlsstraße sogar das Rathaus der Oberneustadt errichtet.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Kassels französisches Rathaus
Die Obere Karlsstraße war die Keimzelle der hugenottischen Oberneustadt
Doch der Reihe nach: Vor rund 320 Jahren fiel der Startschuss zum Bau der Oberneustadt. Sie sollte auf Wunsch von Landgraf Karl von Hessen (1654-1730) das neue Zuhause für französische Glaubensflüchtlinge in Kassel werden. Denn nach der Schleifung der alten Befestigungsanlagen um die Altstadt konnte Kassel endlich wachsen. Den Entwurf für die Oberneustadt und den Beginn der Arbeiten leitete Baumeister Paul du Ry, selbst Hugenotte und einer der ersten Bewohner des neuen Stadtteils. Sein Sohn Charles setzte das Werk fort, Enkel Simon Louis vollendete es.
Und der Landgraf stellte nicht nur den Baugrund für den neuen Stadtteil „auf den Weinbergen vor den westlichen Thoren der Stadt” kostenfrei zur Verfügung, sondern auch „freies Bauholz, Steine und Sand, frei angefahren durch die Baupferde”. Plus eine mindestens zehnjährige Abgabenfreiheit für die Neusiedler. Das erste Haus entstand 1688. Und schon Anfang des 18. Jahrhunderts bevölkerten so schillernde Persönlichkeiten wie der Marquis de Langallery nebst seiner attraktiven, aber wohl auch hochmütigen und intriganten Gattin Marguerite die großzügigen Häuserblöcke in der Karlsstraße und am Karlsplatz.
Hier gaben sich nach Adels-Witwen, Freiherren und Justizräten aber auch Brauereien und Gastwirte die Klinke in die Hand. Ab 1834 verzeichnen Kassels Adressbücher jede Menge „Bierschänker” in der Karlsstraße.
Am Karlsplatz stand auch die barocke Oberneustädter Kirche. In der zwischen 1689 und 1710 erbauten Karlskirche wurden die Gottesdienste noch bis 1867 in Französisch gehalten.
Gegenüber dem Oberneustädter Rathaus öffnete sich bis zur Oberen Königsstraße hin der Messeplatz. Mit regem Markttreiben und allerlei Amüsement.
Damit war Schluss, als 1905 auf diesem Platz das neue und unser heutiges Rathaus entstand.
Das Oberneustädter Rathaus wurde 1809 geräumt. In die ehemaligen Amtsstuben zog das erste Mädchengymnasium der Stadt ein, das Lyceum mit Studieranstalt, das seinerseits zur Keimzelle für die spätere Malvida-von-Meysenbug- und heutige Heinrich-Schütz-Schule wurde.
Historischer Verlauf der Straße
Die Aufnahme zeigt den historischen Verlauf der Karlsstraße: in einer geraden Linie vom Friedrichsplatz bis zur Weinbergstraße. In den 1950-70er Jahren wurde der Blick durch die Rathaus-Anbauten unterbrochen, nachdem zuvor schon der vordere Abschnitt zum Parkplatz verbreitert worden war.Bei Gründung der Oberneustadt sollte die spätere Karlsstraße zunächst den nordwestlichen Stadtrand bilden; geplant waren lediglich vier Häuserblöcke beidseitig der Frankfurter Straße. Erst in der Folgezeit kamen weitere Häuserblöcke bis zur heutigen Königsstraße und zur Friedrichsstraße hinzu, und 1771-75 wurde in der Karlsstraße sogar das Rathaus der Oberneustadt errichtet: Man erkennt seine hohe, vorspringende Giebelfront oberhalb des geparkten Autos.