Hilwartshausen

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Hann. Mündener Ortsteil Hilwartshausen in Niedersachsen;

ein Ortsteil der niedersächsischen Stadt Dassel trägt ebenfalls den Namen Hilwartshausen.


Klostergut Hilwartshausen an der Weser
Die gotische Petruskapelle

Das Klostergut Hilwartshausen an der Weser gehört zu Gimte, das seinerseits ein Ortsteil von Hann. Münden ist.

Es wurde im Jahre 960 von König Otto I. als Augustinerinnenstift Hilwartshausen gegründet. Nach der Urkundenüberlieferung entstand in Hilwartshausen ein Kanonissen-, später ein Augustiner-Chorfrauenstift. Durch Stiftungen und Rodungen erhielt das Reichsklosters in den Folgejahren auch umfangreichen Grundbesitz im oberen Wesertal, der beispielsweise im Jahre 1003 im nahegelegenen Vaake urkundlich festgehalten worden ist.

Noch auf einem Stich von Merian ist die große Klosterkirche mit anschließendem Kreuzgang und Klostergebäude, ebenso die kleine Kirche und auf der anderen Weserseite das Vorwerk Eichhof mit Zehntscheune und Mühle zu erkennen.

Nach der Reformation dauerte es noch einige Zeit, bevor unter der letzten Äbtissin, Dorothea von Stoffregen, um das Jahr 1610 das Kloster evangelisch wurde.

Heute ist das Gut Hilwartshausen im Besitz der hannoverschen Klosterkammer und der landwirtschaftliche Betrieb verpachtet. Die kleine Petruskirche kann besichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Gut liegt an der linken Weserseite auf niedersächsischem Gebiet, eng umgeben von der Landesgrenze zu Hessen. Die Bundesstraße 80 führt unmittelbar vorbei.

Geschichte

Der Schneckenturm im ehem. Klostergarten
Die gotische Klosterscheune
Ehem. Friedhof von Hilwartshausen

Nach der Überlieferung schenkte eine adelige Witwe namens Aeddila nach dem Tod ihrer Kinder mit Zustimmung ihrer verbliebenen Erben Hof, Geschirr, Grund und Boden in Hilwartshausen der Kirche.

Und Kaiser Otto I. verfügte am 12.2.960, „von dem aufrichtigen Willen beseelt, etwas zu tun aus Liebe zu Gott und um des Heiles unserer eigenen Seele willen wie auch den Seelen der vorher erwähnten Matrone und ihrer Miterben“, eine Jungfrauenkongregation in Hilwartshausen anzusiedeln“ (Stiftungsurkunde, Niedersächsisches Staatsarchiv Hannover).

So entstand im Jahre 960 das reichsunmittelbare Augustinerinnenstift Hilwartshausen als Jungfrauenkongregation.

Die hierfür errichtete Klosterkirche war dem Märtyrer Stephanus geweiht und ist im 30-jährigen Krieg und nach dem Niedergang der Augustinerinnenkongregation verfallen. Nur noch wenige Spuren im fragmentarisch überkommenen, wahrscheinlich im 18. Jahrhundert zu einem Barockpark ausgebauten Klostergarten zeugen von diesem Kirchenbau: Eine kleine Säule mit hübschem Kapitell und ein erstaunlich gut erhaltenes Säulenteil unter einer Tischplatte, das vielleicht einmal das Taufbecken trug. In dem heute stark überwachsenen Park ist noch ein sogenannter Schneckenturm als romantisches Gestaltungselement aus der Barockzeit vorhanden. Die für diese Aussichtsplattform verwendeten Steine stammen wahrscheinlich von der verfallenen Klosterkirche.

In der Nähe der heute noch stehenden gotischen Klosterscheune mit einem markanten Treppengiebel wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert eine kleine gotische Kapelle außerhalb des Klosterbezirks errichtet, die dem Dorf Gimte auf der gegenüberliegenden Weserseite als Dorfkirche diente. Diese kleine Kirche war dem Apostel Petrus geweiht. Sie wurde etwa 1680 in einem gotisch-barocken Mischstil renoviert und mit einem kleinen Vorbau und einem neuen Eingang versehen. Bei einer neuzeitlichen Renovierung wurden die baufällige Empore entfernt und die Orgel ebenerdig herabgesetzt. Gottesdienste finden hier nur noch an den hohen kirchlichen Feiertagen statt.

Friedhöfe

Bis 1619 bestatteten die Einwohner aus Gimte und dem Nachbarort Volkmarshausen ihre verstorbenen Angehörigen auf einem kleinen Friedhof, der unmittelbar an die Petruskirche grenzte. Zur Überführung des Sarges auf die linke Weserseite benutzte man einen Prahm, der, an einem Gierseil hängend, in Höhe des Eichhofs die Weser überquerte. Eisgang behinderte im Winter und Hochwasser im Frühjahr oft die Überfahrt, sodass ein kilometerlanger Umweg über die feste Brücke in Münden genommen werden musste. Besonders das verheerende Hochwasser im Januar 1643, das auch die Gräber an der Petruskirche erfasste, veranlasste die Bevölkerung, diesen Friedhof aufzugeben und auf dem sicheren Berghang, der sich vom Klostergut aus zur hessischen Grenze hin an den Rand des Reinhardswalds erstreckt, neu anzulegen.

Der neue Friedhof wurde durch einen 500 Meter langen, baumbestandenen Weg mit dem Klostergut verbunden und mit einer niedrigen Bruchsteinmauer aus heimischem Sandstein umgeben. Bis 1954 fanden hier Verstorbene aus Gimte und Volkmarshausen eine letzte Ruhestätte. Auch die Pächter des Klosterguts ließen auf diesem Friedhof ihre verstorbenen Angehörigen und Mitarbeiter beisetzen. Seit den 1960er Jahren ist die Anlage mit ihren rund 20 Gräbern trotz einiger Pflegeversuche von Schulklassen dem Verfall preisgegeben. Eine hölzerne Tafel am Wegrand weist auf die Existenz des Friedhofs hin, der durch eine Öffnung in der nördlichen Einfriedung zugänglich ist.

Die kleine Gierseilfähre verband noch bis Mitte der 1970er Jahre Gimte mit Hilwartshausen.

Gutshof

Heute ist Hilwartshausen ein landwirtschaftlich modern geführtes Gut im Besitz der hannoverschen Klosterkammer und in vierter Generation in Pacht vergeben. Schwerpunkte der Produktion liegen in der Rinderzucht und im Getreideanbau. Die kleine Petruskirche kann besichtigt werden, der Schlüssel ist bei der Gutsverwaltung erhältlich.

Jubiläumsjahr 2010

Am Sonntag, 15. August 2010, wurde in Hilwartshausen der 1050. Geburtstag des ehemaligen Klosters und heutigen Klosterguts mit einem Scheunenfest in und an der spätmittelalterlichen Steinscheune gefeiert.

Literatur

Wirtschaftshof Eichhof

Der mittelalterlicher Wirtschaftshof Eichhof ist das ehemalige Vorwerk des Klosters Hilwartshausen.

Weserdampfschifffahrt

Aus dem „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“:

Im Frühjahr 1844 gab der Lehrer für Geschichte und Erdkunde am Rintelner Gymnasium, Dr. Ludwig Boclo, seinen „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“ heraus. Boclo war schon verschiedentlich als Reiseschriftsteller hervorgetreten. Das kleinformatige Büchlein sollte ein kundiger Mitreisender für alle fremden Passagiere sein.

Weserabwärts rühmte er neben vielem anderen den lieblichen Blick von Hilwartshausen auf Münden, der den dortigen Stiftsdamen ein Ausgleich für ihr entsagungsvolles Leben gewesen sein mochte. Auch die Eisengießerei in Veckerhagen sowie das Eisenhammerwerk in Lippoldsberg vergaß Boclo ebenso wenig wie den vom Fluss noch weithin sichtbaren Turm der Bramburg und die mit ihr verknüpften Sagen. Zudem warnte er vor den leicht reizbaren Bewohnern von Gewissenruh, die mit Prügel, Steinwürfen und Schimpfworten sehr freigiebig gewesen sein sollen.

Weblinks

Überregional:

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