Kloster Lippoldsberg

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Klosterkirche in Lippoldsberg

In Lippoldsberg befand sich einst das Kloster Lippoldsberg mit der Klosterkirche St. Georg und Maria.

Anders als die ehemaligen Klostergebäude ist die Klosterkirche vollständig erhalten geblieben und präsentiert sich nach einer umfassenden Restaurierung als eine der bedeutensten romanischen Basiliken in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Die Klosterkirche

Die romanische Klosterkirche "St. Georg und Maria" wurde Mitte des 12. Jahrhunderts (1138 - 1151) an der Stelle eines Vorgängerbaus als dreischiffige Basilika mit einem Grundriß errichtet, der auf einem strengen Quadratsystem beruht.

Eine aufwändige Restaurierung der stilreinen romanischen Kirche fand im Jahre 2008 ihren Abschluss. Mit einem festlichen Gottesdienst und einem Fest auf dem neugestalteten Vorplatz wurde Anfang September 2008 die Klosterkirche St. Georg und Maria wieder eingeweiht.

Bereits im Jahr 2003 wurde die Kirche als „Kulturgut von nationaler Bedeutung“ von der Bundesrepublik Deutschland anerkannt.

Die nachfolgenden Darstellung berücksichtigt die "Kunsthistorische Einordnung der Klosterkirche" von Christina Müther, Kunsthistorikerin M.A. auf www.klosterkirche.de

Bauwerk

Eingang der Klosterkirche im Westwerk

Die ehemalige Doppelturmfassade des Westwerks der Kirche ist vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden. Im Jahr 1644 (nach anderer Darstellung 1664) soll ein Turm der Kirche, auf den sich die Bevölkerung geflüchtet hatte, beschossen worden sein, bis er Feuer fing. [1] Der Südturm wurde wieder hergestellt und im Jahre 1722 mit seiner heutigen barocken (auch: welschen) Haube nach den Plänen von Friedrich Conradi versehen, wofür der Turm um 14 Fuß aufgestockt werden musste. [2]

Langhaus und Querhaus der Kirche durchdringen sich auf gleicher Höhe. Dabei sind die Langhauswände basilikal gestuft.

Wie in Lippoldsberg finden sich Klosterkirchen mit dreiteiliger Ostanlage und der Lippoldsberger Chorform (d.h. Nebenchöre, die zum Hauptchor mit einer halbhohen Brüstung geschlossen, darüber in einer Doppelarkade geöffnet sind) auch in Bursfelde, Gehrden und Germerode.

Die beiden Portale auf der Südseite der Lippoldsberger Kirche fungierten offenbar einmal als Türen zum Friedhof hin.

Den schlichten Buntsandsteinbau aus Solling-Sandstein betritt man idealerweise durch den zentralen Westeingang, wobei diese Eingangstür der Kirche nur als ein vergleichsweise bescheidener Durchlass gestaltet ist. Möglicherweise befand sich hier einmal ein Vorbau, der keinen zentralen Haupteingang nach dem sonst üblichen Symmetriebestreben zuließ. Rechts daneben fällt dagegen ein durchaus prachtvolleres Portal mit einem für die damalige Zeit typischen Tympanon in den Blick des Betrachters, um das das Gandersheimer Profil herumführt und das in die Westwand des Südturms gesetzt wurde.

Im Innern der Kirche

Eingangsbereich unterhalb der Nonnenempore mit Blick in die restaurierte Kirche

Betritt der Besucher die Kirche durch das kleine zentrale Portal im Westwerk, betritt er das Gotteshaus im Innern unterhalb der ehemaligen Nonnenempore und steht zunächst in einer kleinen, niedrigen Säulenhalle. Aus dieser eng wirkenden Vorhalle öffnet sich dann umso mehr das im Stil einer Basilika errichtete hohe Kirchenschiff.

Nach diesem Vorbild entstand übrigens auch in den Jahren 1122 - 1140 die Klosterkirche in Germerode am Meißner.

Die ehemalige Klosterkirche in Lippoldsberg gilt als eine der ältesten vollständig eingewölbten Kirchen in Deutschland und verfügt über ein Gewölbe aus beeindruckenden Gurtbögen.

Durch Doppelarkaden mit runden Bögen sind die Seitenschiffe vom Mittelschiff abgetrennt. Alle drei Chöre werden von halbrunden Apsiden abgeschlossen.

Im Chorraum der kreuzförmig angelegten Pfeilerbasilika ist ein sehenswerter Taufstein aus dem Ende des 12. Jahrhunderts erhalten geblieben. Der nach anderer Darstellung zwischen 1230 und 1240 geschaffene und reich mit szenischen Darstellungen und Figuren verzierte Stein war wohl ein Opfer der Bilderstürmerei des Landgrafen Moritz geworden und wurde erst im 19. Jahrhundert wieder aufgefunden.

Geschichte

Aus den Anfängen von Lippoldsberg

Erzbischof Lippold (auch: Luitpold) von Mainz, der im 11. Jahrhundert lebte, gab dem Ort Lippoldsberg seinen Namen. Er errichtete hier zwischen Weser und Schwülme eine erste Holzkirche.

Über die nahe Weserfurt führte ein alter Weg vom Rhein über Geismar, dem heutigen Hofgeismar bis nach Thüringen.

Sein Nachfolger, Erzbischof Siegfried von Mainz, vergrößerte den Besitz an der Weserfurt und errichtete hier Mitte des 11. Jahrhunderts eine Steinkirche.

Das Kloster und die Klosterkirche "St. Georg und Maria"

Der Altarraum der ehemaligen Klosterkirche

Die Klostergründung erfolgte um das Jahr 1093 durch Erzbischof Ruthard von Mainz. Ab dem Jahre 1100 wurde das Frauenstift als Benediktinerinnen-Kloster fortgeführt. Die konstanteste Einnahmequelle des Klosters waren die Einkünfte aus dem weitreichenden Klosterbesitz, hinzu kamen aber auch der Kirchenzehnt aus den beigeordneten Dörfern, Spenden und Schenkungen. Von den Lippoldsberger Nonnen wurden auch zahlreiche Bücher und Schriften kopiert, zum eigenen Bedarf, aber auch im Auftrag für andere Klöster.

Der Konvent wählte im Jahre 1137 den Augustinerchorherrn Gunther von Halberstadt aus dem Kloster Hamersleben zum Propst, dem Seelsorger der Nonnen. Dieser erwarb sich - nach anfänglichem Zögern zur Übernahme dieser Aufgabe - bleibende Verdienste um das Nonnenkonvent von Lippoldsberg nach einigen Jahren der Misswirtschaft und des inneren und äußeren Verfalls. Um das Jahr 1150 entstand unter tatkräftiger Unterstützung des Mainzer Erzbischofs Adalbert mit der romanischen Klosterkirche "St. Georg und Maria" eine größere Klosterkirche, die 1151 geweiht wurde und den Reichtum des Klosters bezeugte. Sie war die erste Kirche in Nord- und Mitteldeutschland, die vollständig eingewölbt war.

Im selben Jahr erschien auch das von der damaligen Priorin Margarethe in Auftrag gegebene „Chronicon“ mit Berichten aus den ersten 100 Jahren der Klostergeschichte. [3]

Überhaupt entwickelte sich das Kloster in jener Zeit zu großer Blüte, was auch im Reichtum seiner Bibliothek zum Ausdruck kam. So wurde das Hardehäuser Evangeliar, ein kostbares Werk romanischer Buchmalerei, vom Kloster Helmarshausen für Lippoldsberg gefertigt. Und der aus dem 12. Jahrhundert stammende "Catalogus bibliothecae Lippoldesbergensis" vermittelt eine stolze Anzahl von Werken in der Lippoldsberger Klosterbibliothek und zeigt die Verbundenheit des Probstes und der Nonnen mit den damaligen philosophischen und theologischen Strömungen.

Das Wunder im Reinhardswald

Historische Wallfahrtskirche in Gottsbüren - in Gottsbüren bestand vor der Reformation ein Filialkloster

Zu Reichtum kam das Lippoldsberger Kloster im 14. Jahrhundert durch das "Wunder von Gottsbüren". Angeblich wurde der Leichnam Christi in den Wäldern um Gottsbüren gefunden und in der dortigen Kirche aufgebahrt, nach anderer Darstellung wurde eine geweihte Hostie, die "Heilig-Blut-Hostie" aufgefunden. Vermutet wird auch, dass damals in der Monstranz der zu Lippoldsberg gehörenden Kirche von Gottsbüren „blutige Tropfen“ gefunden wurden. Nach heutigen Erklärungsversuchen hinterlässt oftmals ein roter Schimmelpilz in feuchten Kirchen derartige Spuren, was das vermeintliche Wunder erklären könnte.

Jedenfalls wurden bis zum Jahre 1399 Wallfahrten nach Gottsbüren durchgeführt, nachdem Erzbischof Balduin von Trier schon 1331 die kirchliche Erlaubnis erteilt hatte. Das Lippoldsberger Kloster versuchte mit der Entsendung von Nonnen der Flut von Pilgern gerecht zu werden und ein Großteil der Einnahmen aus diesem Pilgerstrom fiel an die „Mutterkirche“ in Lippoldsberg. Die wirtschaftliche Situation des Klosters aber auch des Ortes Gottsbüren hat sich durch diese Wallfahrten und die Spenden der gläubigen Pilger deutlich verbessert.

Nachdem die vom Kloster Lippoldsberg organisierten Wallfahrten einsetzen, wurde auch mit dem Bau der bis heute erhaltenen Wallfahrtskirche in Gottsbüren begonnen. Denn schon bald konnte die zunächst vorhandene kleine Dorfkirche die Wallfahrer nicht mehr fassen, so dass auch mit deren Spenden eine grosse Kirche gebaut wurde.

So entstand in den Jahren 1330/ 31 die bis heute erhaltene Wallfahrtskirche in Gottsbüren, die im 14. Jahrhundert zu der heutigen dreischiffigen Hallenkirche erweitert wurde. Und dem Schutz der Wallfahrer diente die schon 1334 ganz in der Nähe errichtete Zapfenburg (Sababurg), die ebenfalls mit den reichlichen Spendengeldern errichtet werden konnte.

Die letzten Klosterjahre und die Zeit nach der Reformation

Der Eingang zum Klosterhof in Lippoldsberg
Am ehemaligen Klostergarten in Lippoldsberg

Im Jahre 1439 trat das Lippoldsberger Klosters der Bursfelder Kongregation bei. Ein Ziel war es, die Ordensregel des heiligen Benedikt in ihrer ursprünglichen Strenge und Reinheit wieder zur Beachtung zu bringen.

Der Ausgang der Mainzer Stiftsfehde brachte Lippoldsberg dann im Jahre 1462 in hessischen Besitz.

Unter dem protestantischen Hessen endete einige Jahrzehnte später allmählich die Geschichte des Nonnenklosters. Nachdem Landgraf Philipp I. im Jahre 1538 das protestantische Bekenntnis eigeführt hatte, blieb das Kloster zwar bestehen, durfte aber keine Novizinnen mehr aufnehmen.

Der erste evangelische Pfarrer trat im Jahre 1550 seine Tätigkeit in Lippoldsberg an und 1569 verstarb mit Lutrudis von Boyneburg die letzte Priorin und Klosterfrau.

Schon 1563 wurden der Klosterbesitz inventarisiert und die Propstei des Klosters abgerissen, um die Steine zum Bau eines Siechenhauses an der Weser zu verwenden.

Und in der „Itterschen Turmknaufchronik“ des Amtsvogts Conrad Itter aus dem Jahre 1722 wird dazu vermerkt:

So haben ... bey eingeführter Evangelischer Religion die beyden hochfürstlichen Häuser Braunschweig und Hessen und zwar Ihro Hochfürstl. Gnaden Hertzog Erich zu Braunschweig und Lüneburg und Ihro Hochfürstl. Gnaden Herr Philippus Magnanimus Landgraf zu Heßen Anno 1538 am Montag nach dem Sonntag Invocavit, der da war der 11. Tag Marty , sich derogestalt wegen des Closters Lippoldsberg und deßen Gütern verglichen, daß die Closter Jungfern nicht mit Gewalt vertrieben werden, sondern aussterben sollen, nach deren Absterben das Closter und Dorf Lippoldsberg dem Herrn landgrafen, die Güther aber, welche unter Herrn Hertzog Ehrich gelegen, besagten Herrn Hertzog bleiben sollen, ..."

Lippoldsberger Chroniken

Die Geschichtsschreibung des Klosters Lippoldsberg hat ihre Grundlage besonders in den Aufzeichnungen

Einige Bedeutung kommt zudem der Chronik des Pfarrers Carl Emil Stock aus dem Jahr 1913 zu. [6]

Nohl-Haus

Innerhalb der alten Klostermauern steht das Herman-Nohl-Haus, das frühere Haus des Klostervogts.

Das über 300 Jahre alte Haus vor dem Westportal der Klosterkirche Lippoldsberg ist nach dem Göttinger Pädagogik-Professor Herman Nohl (7. Oktober 1879 in Berlin bis 27. September 1960 in Göttingen) benannt worden. Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Nohl im Lippoldsberger Landheim, in dem auch vier weitere Familien Zuflucht fanden.

Nach einem Bericht in HNA-online vom 29.4.2012 haben die Gemeindevertreter der Gemeinde Wahlsburg der kostenlosen Übernahme des Gebäudes in den Besitz der Gemeinde zugestimmt. Gleichzeitig wurde beschlossen, dass der Förderverein Klosterkirche das Haus künftig betreibt.

Vom Klosterhof zum Gutshof

Der Klosterhof wurde nach der Reformation in einem Gutshof umgewandelt und bis 1913 genutzt. Ein Teil der Klostergüter wurde zur Ausstattung des im Jahre 1564 gegründeten Armen- und Sichenhauses in Lippoldsberg verwendet, das aus den Steinen der ehemaligen Propstei errichtet worden war. Aus dem Kloster wurde zunächst ein Kammergut, dann eine hessische, später eine preußische Domäne.

Ein Teil der Klostergebäude verfiel im Laufe der Jahrhunderte. 1713 ließ Landgraf Karl noch bauliche Veränderungen vornehmen, was sich aus einer Inschrift ergibt und der ehemalige Westflügel des Klosters wurde zu einem Jagdschloss umgebaut.

Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb der völkische Schriftsteller Hans Grimm das Jagdschloss.

Zur Geschichte des Klosters Lippoldsberg siehe auch:


Kloster-Galerie


Klosterpforte

In einem Teil des ehemaligen Kreuzgangs wurde 2009 die "Klosterpforte" eröffnet. Sie steht als Besucherzentrum für Kirchenbesucher, Konzertbesucher und Touristen offen.

Das romanische Museum in der Klosterpforte Lippoldsberg ist eröffnet

Artikel in HNA-online vom 26.10.2009

Lippoldsberg. Nach einem Jahr Bauzeit war es am Wochenende endlich soweit: Die "Klosterpforte" öffnete die Tür zum romanischen Museum im Eingangsbereich der ehemaligen Klosteranlage in Lippoldsberg.

Zahlreiche Gäste, unter anderem kommunale Vertreter, Handwerker und Besucher der Wahlsburger Partnergemeinde St. George de Montaigu, bewunderten die sorgsam unter historischen Gesichtspunkten restaurierten Räume. Innerhalb eines knappen Jahres wurden die Bausünden der letzten Jahrzehnte rückgebaut und historische Mauerwerke wieder freigelegt, die den beiden Räumen eine einzigartige Atmosphäre geben.

Die Klosterpforte soll als kommunikativer, weltoffener Ort dienen, an dem Gäste den Spuren mittelalterlicher und klösterlicher Lebensweise nachspüren und Informationen über die Region erhalten können. Eine thematische Ausstellung zeigt Fundstücke aus der Lippoldsberger Klosteranlage. Sie wird ergänzt durch eine moderne digitale Ausrüstung, die mit Touchscreen und großem Bildschirm verschiedene Aspekte romanischer Baukunst, aber auch des kulturellen Lebens an der Klosterkirche präsentiert. (znu)

Kontakt

Klosterpforte: Klosterhof 10, 34194 Wahlsburg, Tel. 05572-999226, www.klosterkirche.de

Literatur

Literatur zur Geschichte

Blick in die restaurierte Klosterkirche (2008)

Unterhaltungsliteratur mit Bezug zum Kloster Lippoldsberg

Pilgerweg

Südportal

Unter dem Titel "Zwischen Loccum und Volkenroda" erschien im Jahre 2005 ein Pilgerbuch von Jens Gundlach, das die Pilger-Wanderstrecke vom Kloster Loccum, nordwestlich von Hannover zum Kloster Volkenroda, bei Mühlhausen in Thüringen beschreibt.

An der Pilgerstrecke liegen etwa das Kloster Bursfelde oder in Nordhessen die Kirchen in den Orten Arenborn, Heisebeck und Vernawahlshausen, die zu stiller Einkehr einladen. Ein Exkurs führt zur romanischen Kirche des einstigen Benediktinerinnenklosters Lippoldsberg.

siehe auch

Video

Das "Bautellen-Konzert" - TV Göttingen (Gundula Bernhold - Sopran, Olaf Pyras - Schlagwerk, Elisabeth Artelt - Orgel):

Wandern

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Aus der Itterschen Turmknaufchronik - www.klosterkiche.de
  2. "Kunsthistorische Einordnung der Klosterkirche" von Christina Müther, Kunsthistorikerin M.A. auf www.klosterkirche.de
  3. Zum Lippoldsberger Chronikon - www.klosterkiche.de
  4. Chronicon Lippoldsbergense auf www.geschichtsquellen.de
  5. Aus der LIPPOLDSBERGER CHRONICA des Vogts Conrad Itter aus 1722 "de anno 1437 usque 1722 soli deo gloria
  6. Zur Stockschen Chronik - www.klosterkiche.de

Weblinks

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