Kloster Lippoldsberg
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In Lippoldsberg befand sich einst das Kloster Lippoldsberg mit der Klosterkirche St. Georg und Maria.
Anders als die ehemaligen Klostergebäude ist die Klosterkirche vollständig erhalten geblieben und präsentiert sich nach einer umfassenden Restaurierung als eine der bedeutensten romanischen Basiliken in Deutschland.
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Die Klosterkirche
Die romanische Klosterkirche "St. Georg und Maria" wurde Mitte des 12. Jahrhunderts (1138 - 1151) als dreischiffige Basilika mit einem Grundriß errichtet, der auf einem strengen Quadratsystem beruht.
Eine aufwändige Restaurierung der stilreinen romanischen Kirche fand im Jahre 2008 ihren Abschluss. Mit einem festlichen Gottesdienst und einem Fest auf dem neugestalteten Vorplatz wurde Anfang September 2008 die Klosterkirche St. Georg und Maria wieder eingeweiht. Bereits im Jahr 2003 wurde die Kirche als „Kulturgut von nationaler Bedeutung“ von der Bundesrepublik Deutschland anerkannt.
Den schlichten Buntsandsteinbau betritt man durch den Westeingang mit dem ehemals doppeltürmigen Westwerk, wobei die zentrale Eingangstür der Kirche nur als ein bescheidener Durchlass gestaltet ist.
Unterhalb der Nonnenempore betritt man das Innere der ehemaligen Klosterkirche und steht zunächst in einer kleinen, niedrigen Säulenhalle. Aus dieser eng wirkenden Vorhalle öffnet sich dann umso mehr das im Stil einer Basilika errichtete hohe Kirchenschiff.
Nach diesem Vorbild entstand übrigens auch in den Jahren 1122 - 1140 die Klosterkirche in Germerode am Meißner.
Im Chorraum der kreuzförmig angelegten Pfeilerbasilika in Lippoldsberg ist ein sehenswerter Taufstein aus dem Ende des 12. Jahrhunderts erhalten geblieben.
Die ehemalige Klosterkirche gilt als eine der ältesten vollständig eingewölbten Kirchen in Deutschland und verfügt über ein Gewölbe aus beeindruckenden Gurtbögen.
Durch Doppelarkaden mit runden Bögen sind die Seitenschiffe vom Mittelschiff abgetrennt. Alle drei Chöre werden von halbrunden Apsiden abgeschlossen.
Im Jahre 1722 erhielt der Kirchturm der ehemaligen Klosterkirche seine heutige barocke Haube.
Geschichte
Aus den Anfängen von Lippoldsberg
Erzbischof Lippold (auch: Luitpold) von Mainz, der im 11. Jahrhundert lebte, gab dem Ort Lippoldsberg seinen Namen. Er errichtete hier zwischen Weser und Schwülme eine erste Holzkirche.
Über die nahe Weserfurt führte ein alter Weg vom Rhein über Geismar, dem heutigen Hofgeismar bis nach Thüringen.
Sein Nachfolger, Erzbischof Siegfried von Mainz, vergrößerte den Besitz an der Weserfurt und errichtete hier Mitte des 11. Jahrhunderts eine Steinkirche.
Das Kloster und die Klosterkirche "St. Georg und Maria"
Die Klostergründung erfolgte um das Jahr 1093 durch Erzbischof Ruthard von Mainz. Ab dem Jahre 1100 wurde das Frauenstift als Benediktinerinnen-Kloster fortgeführt. Die konstanteste Einnahmequelle des Klosters waren die Einkünfte aus dem weitreichenden Klosterbesitz, hinzu kamen aber auch der Kirchenzehnt aus den beigeordneten Dörfern, Spenden und Schenkungen. Von den Lippoldsberger Nonnen wurden auch zahlreiche Bücher und Schriften kopiert, zum eigenen Bedarf, aber auch im Auftrag für andere Klöster.
Der Konvent wählte im Jahre 1137 den Augustinerchorherrn Gunther zum Propst, dem Seelsorger der Nonnen. Dieser erwarb sich - nach anfänglichem Zögern zur Übernahme dieser Aufgabe - bleibende Verdienste um das Nonnenkonvent von Lippoldsberg nach einigen Jahren der Misswirtschaft und des inneren und äußeren Verfalls. Um das Jahr 1150 entstand mit der romanischen Klosterkirche "St. Georg und Maria" eine größere Klosterkirche, die 1151 geweiht wurde und den Reichtum des Klosters bezeugt.
Im selben Jahr erschien auch das von der damaligen Priorin Margarethe in Auftrag gegebene „Chronicon“ mit Berichten aus den ersten 100 Jahren der Klostergeschichte.
Der ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammende "Catalogus bibliothecae Lippoldesbergensis" vermittelt eine stolze Anzahl von Werken in der Lippoldsberger Klosterbibliothek und zeigt die Verbundenheit des Probstes und der Nonnen mit den damaligen philosophischen und theologischen Strömungen.
Das Wunder im Reinhardswald
Zu Reichtum kam das Lippoldsberger Kloster im 14. Jahrhundert durch das "Wunder von Gottsbüren". Angeblich wurde der Leichnam Christi in den Wäldern um Gottsbüren gefunden und in der dortigen Kirche aufgebahrt, nach anderer Darstellung wurde eine geweihte Hostie, die "Heilig-Blut-Hostie" aufgefunden. Vermutet wird auch, dass damals in der Monstranz der zu Lippoldsberg gehörenden Kirche von Gottsbüren „blutige Tropfen“ gefunden wurden. Nach heutigen Erklärungsversuchen hinterlässt oftmals ein roter Schimmelpilz in feuchten Kirchen derartige Spuren, was das vermeintliche Wunder erklären könnte.
Jedenfalls wurden bis zum Jahre 1399 Wallfahrten nach Gottsbüren durchgeführt, nachdem Erzbischof Balduin von Trier schon 1331 die kirchliche Erlaubnis erteilt hatte. Das Lippoldsberger Kloster versuchte mit der Entsendung von Nonnen der Flut von Pilgern gerecht zu werden und ein Großteil der Einnahmen aus diesem Pilgerstrom fiel an die „Mutterkirche“ in Lippoldsberg. Die wirtschaftliche Situation des Klosters aber auch des Ortes Gottsbüren hat sich durch diese Wallfahrten und die Spenden der gläubigen Pilger deutlich verbessert.
Nachdem die vom Kloster Lippoldsberg organisierten Wallfahrten einsetzen, wurde auch mit dem Bau der bis heute erhaltenen Wallfahrtskirche in Gottsbüren begonnen. Denn schon bald konnte die zunächst vorhandene kleine Dorfkirche die Wallfahrer nicht mehr fassen, so dass auch mit deren Spenden eine grosse Kirche gebaut wurde.
So entstand in den Jahren 1330/ 31 die bis heute erhaltene Wallfahrtskirche in Gottsbüren, die im 14. Jahrhundert zu der heutigen dreischiffigen Hallenkirche erweitert wurde. Und dem Schutz der Wallfahrer diente die schon 1334 ganz in der Nähe errichtete Zapfenburg (Sababurg), die ebenfalls mit den reichlichen Spendengeldern errichtet werden konnte.
Die Zeit nach der Reformation
Der Ausgang der Mainzer Stiftsfehde brachte auch Lippoldsberg im Jahre 1462 in hessischen Besitz. Unter dem protestantischen Hessen endete allmählich die Geschichte des Klosters. Nachdem Landgraf Philipp I. im Jahre 1538 das protestantische Bekenntnis eigeführt hatte, blieb das Kloster zwar bestehen, durfte aber keine Novizinnen mehr aufnehmen. Der erste evangelische Pfarrer trat im Jahre 1550 seine Tätigkeit in Lippoldsberg an und 1559 verstarb mit Lutrudis von Boyneburg die letzte Priorin und Klosterfrau.
Herman-Nohl-Haus
Innerhalb der alten Klostermauern steht das Herman-Nohl-Haus, das frühere Haus des Klostervogts.
Das über 300 Jahre alte Haus vor dem Westportal der Klosterkirche Lippoldsberg ist nach dem Göttinger Pädagogik-Professor Herman Nohl (7. Oktober 1879 in Berlin bis 27. September 1960 in Göttingen) benannt worden. Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Nohl im Lippoldsberger Landheim, in dem auch vier weitere Familien Zuflucht fanden.
Nach einem Bericht in HNA-online vom 29.4.2012 haben die Gemeindevertreter der Gemeinde Wahlsburg der kostenlosen Übernahme des Gebäudes in den Besitz der Gemeinde zugestimmt. Gleichzeitig wurde beschlossen, dass der Förderverein Klosterkirche das Haus künftig betreibt.
Vom Klosterhof zum Gutshof
Der Klosterhof wurde nach der Reformation in einem Gutshof umgewandelt und bis 1913 genutzt. Ein Teil der Klostergüter wurde zur Ausstattung des im Jahre 1564 gegründeten Armen- und Sichenhauses in Lippoldsberg verwendet, das aus den Steinen der ehemaligen Propstei errichtet worden war. Aus dem Kloster wurde zunächst ein Kammergut, dann eine hessische, später eine preußische Domäne.
Ein Teil der Klostergebäude verfiel im Laufe der Jahrhunderte. 1713 ließ Landgraf Karl noch bauliche Veränderungen vornehmen, was sich aus einer Inschrift ergibt und der ehemalige Westflügel des Klosters wurde zu einem Jagdschloss umgebaut.
Zur Geschichte des Klosters Lippoldsberg siehe auch:
Kloster-Galerie
Klosterpforte
In einem Teil des ehemaligen Kreuzgangs wurde 2009 die "Klosterpforte" eröffnet. Sie steht als Besucherzentrum für Kirchenbesucher, Konzertbesucher und Touristen offen.
Das romanische Museum in der Klosterpforte Lippoldsberg ist eröffnet
Artikel in HNA-online vom 26.10.2009
Lippoldsberg. Nach einem Jahr Bauzeit war es am Wochenende endlich soweit: Die "Klosterpforte" öffnete die Tür zum romanischen Museum im Eingangsbereich der ehemaligen Klosteranlage in Lippoldsberg.
Zahlreiche Gäste, unter anderem kommunale Vertreter, Handwerker und Besucher der Wahlsburger Partnergemeinde St. George de Montaigu, bewunderten die sorgsam unter historischen Gesichtspunkten restaurierten Räume. Innerhalb eines knappen Jahres wurden die Bausünden der letzten Jahrzehnte rückgebaut und historische Mauerwerke wieder freigelegt, die den beiden Räumen eine einzigartige Atmosphäre geben.
Die Klosterpforte soll als kommunikativer, weltoffener Ort dienen, an dem Gäste den Spuren mittelalterlicher und klösterlicher Lebensweise nachspüren und Informationen über die Region erhalten können. Eine thematische Ausstellung zeigt Fundstücke aus der Lippoldsberger Klosteranlage. Sie wird ergänzt durch eine moderne digitale Ausrüstung, die mit Touchscreen und großem Bildschirm verschiedene Aspekte romanischer Baukunst, aber auch des kulturellen Lebens an der Klosterkirche präsentiert. (znu)
Kontakt
Klosterpforte: Klosterhof 10, 34194 Wahlsburg, Tel. 05572-999226, www.klosterkirche.de
Literatur
Literatur zur Geschichte
- Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 169 ff.
- Jochen Desel, Das Kloster Lippoldsberg und seine auswärtigen Besitzungen, Melsungen 1967
- Jochen Desel, Lippoldsberg vor der Klostergründung, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1968, S. 33 ff.
- Gottfried Gansauge, Die kirchliche Baukunst im Landkreis Kassel, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1978, S. 59 ff.
- Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011
Unterhaltungsliteratur mit Bezug zum Kloster Lippoldsberg
- Hermann Multhaupt, Das Wunder vom Reinhardswald, Ein Roman aus dem Mittelalter, MuNe Verlag Paderborn, ISBN 978-3-933425-52-2
Pilgerweg
Unter dem Titel "Zwischen Loccum und Volkenroda" erschien im Jahre 2005 ein Pilgerbuch von Jens Gundlach, das die Pilger-Wanderstrecke vom Kloster Loccum, nordwestlich von Hannover zum Kloster Volkenroda, bei Mühlhausen in Thüringen beschreibt.
An der Pilgerstrecke liegen etwa das Kloster Bursfelde oder in Nordhessen die Kirchen in den Orten Arenborn, Heisebeck und Vernawahlshausen, die zu stiller Einkehr einladen. Ein Exkurs führt zur romanischen Kirche des einstigen Benediktinerinnenklosters Lippoldsberg.
siehe auch
- Artelmissen
- Kloster und Stift Gottsbüren (Filialkloster)
- Lippoldsberg
- Reinhardswald
- Wallfahrtskirche Gottsbüren
- Weser