Landgrafschaft Hessen
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Als Landgrafschaft Hessen wird das Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches bezeichnet, dessen Kerngebiete im Norden und in der Mitte des heutigen Bundeslandes Hessen lagen.
Residenz war ab dem Jahre 1277 die Stadt Kassel.
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Die Landgrafen von Hessen
- 1277 bis 1308 - Landgraf Heinrich I., das Kind von Brabant (* 24. Juni 1244); † 21. Dezember 1308
Er erlangte nach dem Thüringer Erbfolgekrieg die Herrschaft über Hessen und wurde erster Landgraf von Hessen. - 1308 bis 1311 - Landgraf Johann I. (* 1278; † Februar 1311)
Johann war Landgraf von Hessen und Herr von Niederhessen. Er starb ohne männlichen Nachkommen an der Pest und wurde von seinem älteren Halbbruder Otto beerbt. - 1308 bis 1328 - Landgraf Otto I., das Kind (* um 1272; † 17. Januar 1328)
Otto war zunächst Landgraf von Hessen und Herr der Lande an der Lahn (das spätere Oberhessen). Nach dem Tod seines Bruders Johann vereinigte er die Landgrafschaft Hessen wieder in seiner Hand. - 1328 bis 1376 - Landgraf Heinrich II., der Eiserne (* vor 1302; † 3. Juni 1376)
- 1376 bis 1413 - Landgraf Hermann II., der Gelehrte (* um 1341; † 10. Juni 1413)
- 1413 bis 1458 - Landgraf Ludwig I., der Friedfertige (* 6. Februar 1402; † 17. Januar 1458)
- 1458 bis 1471 - Landgraf Ludwig II., der Freimütige (* 7. September 1438; † 8. November 1471)
- 1471 bis 1493 - Landgraf Wilhelm I., der Ältere (* 4. Juli 1466; † 8. Februar 1515)
- 1493 bis 1509 - Landgraf Wilhelm II., der Mittlere (* 29. März 1469; † 11. Juli 1509)
- 1509 bis 1567 - Landgraf Philipp I., der Großmütige (* 13. November 1504; † 31. März 1567);
er führte die Reformation in der Landgrafschaft Hessen ein und ist der letzte gesamthessische Landgraf.
Erbteilung unter Landgraf Philipp dem Großmütigen
Nach dem Tod Landgraf Philipps wird die Landgrafschaft Hessen unter seinen vier Söhnen aus erster Ehe nach den Erbregeln des Hauses Hessen aufgeteilt.
Landgraf Wilhelm IV. (1532 bis 1592), der älteste Sohn Philipps, erhält mit Niederhessen etwa die Hälfte des Landesterritoriums einschließlich der Residenz Kassel. Wilhelm IV. ist damit der erste Landgraf von Hessen-Kassel. Die Linie Hessen-Kassel teilt sich später in weitere Linien auf. Die Hauptlinie stellt ab 1803 die hessischen Kurfürsten.
Landgraf Ludwig IV. (1537 bis 1604), der zweitgeborene Sohn, erhält mit Oberhessen etwa ein Viertel der Landgrafschaft Hessen. Residenz wird Marburg, wonach auch die Landgrafschaft sodann Hessen-Marburg genannt wird. Ludwig IV. bleibt der einzig Landgraf von Hessen-Marburg, da er kinderlos verstirbt und sein Land auf die verbliebenen Landgrafschaften Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt im Erbgang aufgeteilt wird.
Landgraf Philipp II. (1541 bis 1583), der dritte Sohn, erhält mit der Niedergrafschaft Katzenelnbogen, dem Gebiet um St. Goar sowie Reichenberg, Hohenstein und Braubach etwa ein Viertel der Landgrafschaft Hessen. Nach dem bei St. Goar gelegenen Schloss nennt sich Philipp II. Landgraf von Hessen-Rheinfels. Philipp stirbt kinderlos und sein Territorium fällt im Erbgang an die Landgrafschaften Hessen-Kassel, Hessen-Marburg und Hessen-Darmstadt
Landgraf Georg I. (1547 bis 1596), der jüngste Sohn Philipps, erhält mit der Obergrafschaft Katzenelnbogen ebenfalls etwa ein Viertel der Landgrafschaft Hessen. Nach seiner Residenz Darmstadt nennt sich Georg I. Landgraf von Hessen-Darmstadt. Die Linie Hessen-Darmstadt unterteilt sich im Laufe der Jahrhunderte in weitere Linien. Die Hauptlinie stellt ab 1806 die Großherzöge von Hessen.
Durch diese Erbteilung wird die Position der zuvor bedeutenden Landgrafschaft Hessen erheblich geschwächt. Den hessischen Teilfürstentümern gelingt es nicht mehr im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eine so herausragende Rolle zu spielen, wie es unter Landgraf Philipp I. der Fall gewesen ist.
Hessische Landgrafschaften
Die durch die Erbteilung entstandenen hessischen Landgrafschaften im Einzelnen und die weiteren Linien (Auflistung nicht abschließend):
- Landgrafschaft Hessen-Kassel
- Landgrafschaft Hessen-Rotenburg
- Landgrafschaft Hessen-Rheinfels-Rotenburg
- Landgrafschaft Hessen-Marburg
- Landgrafschaft Hessen-Rheinfels
- Landgrafschaft Hessen-Darmstadt
- Landgrafschaft Hessen-Butzbach
- Landgrafschaft Hessen-Homburg
Literatur
- Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005
- Ursula Braasch-Schwersmann, Hans Schneider und Wilhelm Ernst Wingerhager, Landgraf Philipp der Großmütige 1504-1567; Hessen im Zentrum der Reform, Verlag Ph. C. W. Schmidt, Neustadt an der Aisch
- Christian Presche, Die fürstlichen Grabstätten in der Kasseler Martinskirche, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2002, S. 86 ff.
Reformation
Unter Landgraf Philipp I., genannt der Großmütige, wurde die Landgrafschaft Hessen 1526 in Folge der Homberger Synode protestantisch. Hessen gehörte neben Sachsen und Württemberg zu den mächtigen Vorkämpfern der Reformation im Deutschen Reich.
siehe auch
- Battenberg (Adelsgeschlecht)
- Grenzstein-Wanderung zwischen Hessen und Westfalen
- Haus Hessen
- Hessen-Kassel
- Hessen-Eschwege
- Hessen-Rheinfels
- Hessen-Rheinfels-Rotenburg
- Hessen-Wanfried
- Kurfürstentum Hessen
- Landgrafschaft Hessen-Kassel
- Mainzisch-Hessischer Krieg von 1427
- Regentschaftsrat der hessischen Stände
- Thüringisch/ hessischer Erbfolgekrieg
Weblinks
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