Fridericianum

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Foto: Museum Fridericianum Kassel

Das Fridericianum in Kassel war eines der ersten Museen in Europa.

Vollendet wurde der Bau im jahr 1779. Als Landgraf Friedrich II. die Nordostseite des Friedrichsplatzes in Kassel bebauen ließ, beschloss er, die zentrale Mitte dieser Schauseite nicht mit einem Schloss oder Regierungsgebäude zu bebauen, sondern mit einem Museum.

Es entstand mit dem Museum Fridericianum ein Zeichen seiner Auffassung von Aufklärung und Bildung.


Inhaltsverzeichnis

Architektur und Bauwerk

Das Museum Fridericianum war dafür bestimmt, die umfangreiche landgräfliche Kunstsammlung und die Bibliothek aufzunehmen. Hier konnte nun der Bürger gegen ein Eintrittsgeld sich die Sammlung anschauen, was im 18. Jahrhundert etwas Neuartiges war.

Normalerweise konnte man sich damals die fürstlichen Kunstschätze nur auf Einladung oder Empfehlung ansehen und war für den Normalbürger selten zugänglich. Doch Landgraf Friedrich war bestrebt, seine Untertanen zu bilden. So ist mit dem Museum Fridericianum auch der erste Museumsbau auf dem europäischen Kontinent entstanden. Vorbild war das Britische Museum in London.

Architekt des Museum Fridericianum war Simon Louis du Ry. Du Ry schuf mit dem Museumsbau den ersten klassizistischen Baukörper in Deutschland. Für Simon Louis du Ry war das Museum Fridericianum eine völlig neue Aufgabe, da es bisher keinen Museums- und Bibliotheksbau gab. Seine Pläne fanden nicht überall Zustimmung. Es wurden kontroverse Diskussionen geführt. Man fand das Gebäude zu niedrig für den großen Friedrichsplatz.

Auf Einladung des Landgrafen legte der französische Architekt Claude Nicolas Ledoux einen eigenen Entwurf vor, der auf das Gebäude eine erdrückende Attika mit einem Rundtempel vorsah. Doch Landgraf Friedrich II. entschied sich für die Konzeption seines Baumeisters. Den Einwänden seiner Widersacher trat du Ry mit dem Hinweis auf den wenig festen Baugrund und die Notwendigkeit eines Ausgleichs zwischen den höher gelegene Häusern der Oberneustadt und den tiefer gelegenen der Altstadt durch ein zwischen den Höhenunterschieden ausgewogenes Maßverhältnis des Museums entgegen.

Die Bauzeit dauerte von 1769 bis 1779. Die lange Bauzeit lässt sich dadurch erklären, dass das Gebäude auf dem ehemaligen Festungsgelände entstand und die Gründung mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war.

Casseler Freyheit 31.10.2010
(Foto: Günther Pöpperl)

Die Grundmauern mussten mehr als 30 Fuß (8,61 Meter) tief gesetzt werden, was eine Arbeit von mehreren Jahren in Anspruch nahm. Das Museum Fridericianum bildet eine symmetrische Dreiflügelanlage. Die 79,80 Meter lange Vorderfront besteht aus zwei Geschossen und neunzehn Achsen. Die beiden Seitenfronten sind jeweils 41,50 Meter lang und bestehen aus zehn Achsen. Der Mitte der Vorderfront ist ein fünfachsiger Mittelrisalit vorgelegt und erinnert an einen Tempel. Ionische Säulen tragen einen Flachgiebelportikus. Der Fries trägt die Aufschrift „MVSEVM FRIDERICIANVM“.

Über dem Hauptgesims befindet sich eine Attika mit Vasenaufsätzen. Über dem Mittelrisalit befindet sich ebenfalls eine Attika die von Figuren bekrönt ist. Diese Figuren sind von den Brüdern Heyd und von Johann Samuel Nahl d. J. und stellen von links nach rechts die Philosophie, Malerei, Bildhauerei, Architektur, Geschichtsschreibung und Astronomie dar. [1] Die Fenster im Erdgeschoss besitzen die Form von Rundbogenarkaden, im Obergeschoss befinden sich Rechteckfenster.

Das Fridericianum wurde mit dem Zwehrenturm verbunden; gegenüber steht das Ottoneum. Dadurch entstand eine unmittelbare Verzahnung mit der Altstadt.

Gegenüber dem ersten öffentlich zugänglichen Museum auf dem Europäischen Kontinent steht heute das Denkmal für den Spender Landgraf Friedrich II. in Marmor.

Einrichtung und Innenarchitektur

Fridericianum Foto vom 12. Oktober 2005
(Fotograf: Günther Pöpperl)
Fridericianum 2012 zur documenta13

Die Innenausstattung des Gebäudes war schlicht, doch sehr großzügig und im eleganten Geschmack des Frühklassizismus. Wenn man früher das Museum Fridericianum durch den Haupteingang betrat, kam man zunächst in die Eingangshalle. Der Fußboden bestand aus roten und weißen Steinplatten. Geradeaus kam man in das Treppenhaus. Links und rechts von der Eingangshalle befanden sich die Galerien und Ausstellungsräume. Im Obergeschoß befand sich der 77,30 m lange und 10,70 m breite Bibliothekssaal. An beiden Enden befanden sich zwei freistehende korinthische Säulen. Um den ganzen Saal lief in Höhe der Fensterstürze eine zur Aufstellung von Büchern bestimmte Galerie. Der Fußboden bestand aus quadratischen Holztafeln. Als früher oft verzeichnete Merkwürdigkeit enthielt der Saal den als Messingstreifen eingelegten und von den Intarsiabildern der Planeten eingefassten Meridian Kassels. Besonders erwähnt werden im 18. Jahrhundert die vielen Glasflügeltüren, Vitrinen und Schautische.

Die Einrichtung des Museums sollte die Ordnung des Universums widerspiegeln. Als das Museum 1779 eröffnet wurde, musste es Aufgaben erfüllen, die ihm heute längst die verschiedenen Medien abgenommen haben. Die fürstliche Kunstsammlung war hier nicht ausgestellt, um einen großen Eindruck zu machen, sondern war nach ihrem historischen oder naturwissenschaftlichen Rang und ihrer Stellung innerhalb der Wissenschaften geordnet und ausgestellt. Ein Kollegium von vier Wissenschaftlern verwaltete die sieben Abteilungen: Bibliothek, Manuskript- und Graphikkabinett, die alte landgräfliche Kunstkammer, die Sammlung von Waffen und historischen Erinnerungsstücken, die Statuen, die naturhistorische Sammlung und das astronomisch-physikalische Kabinett mit dem Observatorium. Das Museum war an vier Tagen in der Woche für das Publikum geöffnet.

Im großen Bibliothekssaal standen sechs große ovale Tische mit Stühlen zur gelehrten Arbeit oder zur Erbauung der Bürger bereit. Auf allen Tischen befand sich Schreibmaterial. An den Schmalseiten des Bibliothekssaals war jeweils ein Teil durch ein Paar korinthische Säulen abgetrennt, der nur mit einem Bibliothekar betreten werden durfte, weil hier die wertvolleren Werke standen. Hier befanden sich auch die vier großen Globen.

Berühmte Bibliothekare in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Brüder Grimm.

Französische Fremdherrschaft

Während der Zeit der französischen Fremdherrschaft kam es unter König Jérôme zu einer baulichen Veränderung: 1808 wurde aus dem Museum Fridericianum ein Ständehaus. So wurde das Treppenhaus abgerissen und an seiner Stelle wurde ein hoher halbkreisförmiger Saalbau errichtet, der als Parlamentssaal dienen sollte. In die mittlere Zone der Rotunde wurden die ansteigenden Sitzreihen der Abgeordneten und des Staatsrates eingebaut.

An den äußeren Rändern waren die Sitzplätze für die Zuhörer und des diplomatischen Korps und des Hofes. Die Mitte des Halbkreises war frei. Von ihr aus führten flache Stufen zum Thron der Königin. In der breiten Mittelöffnung befanden sich auf einer Erhöhung die Rednertribüne und die Tische der Sekretäre, sowie der Sitz des Präsidenten. Die Treppe zum Obergeschoß befand sich nun im westlichen Eckzimmer des Hauptflügels. Viele Kunstwerke und Bücher sind in dieser Zeit abhanden gekommen.

Geschichte bis heute

Unter Kurfürst Wilhelm II. verschwand die Inneneinrichtung des Ständesaales. Die Treppe wurde wieder in den Rondelbau versetzt. Es wurden Zwischendecken eingezogen, die gewonnenen Räume wurden als Ausstellungsräume und Büchermagazine verwandt. Im Laufe der weiteren Jahrzehnte wurde die Sammlung vergrößert, so dass bald die Räumlichkeiten zu klein waren. Teile der Sammlungen musste verlegt werden. 1913 wurde das Museum in das neue Landesmuseum verlegt. Das hierdurch freigewordene Erdgeschoss wurde der Bibliothek zur Verfügung gestellt.

Fridericianum

Am 9. September 1941 wurde bei einem Bombenangriff das Museum Fridericianum schwer getroffen und brannte völlig aus. Viele Bücher verbrannten oder wurden durch Feuer und Wasser schwer beschädigt. Lange Zeit stand der Museumsbau als Ruine da. 1949 wurde die Ruine wegen Einsturzgefahr gesichert, und es fand der Wiederaufbau statt. Leider bekam das Museum Fridericianum ein steileres Dach aufgesetzt,das die Proportion des Museums stark beeinträchtigt. Sonst wurde das Bauwerk im Äußeren historisch wieder aufgebaut, im Inneren allerdings blieb es ein Provisorium, weil man zunächst keine Verwendung für den Museumsbau hatte.

Fridericianum

1955 fand im Museum Fridericianum die erste documenta statt. Die unvollendeten Räume bildeten einen idealen Nutzraum für die von Arnold Bode kreierte Ausstellung. Alle vier Jahre, später alle fünf Jahre, war nun das Museum Fridericianum (und ist es heute noch) Hauptausstellungsort der documenta. Doch in den documenta-freien Zeiten blieb das Gebäude meistens ungenutzt. Viele Überlegungen wurden angestellt für die richtige Nutzung des Hauses, und erst in den 90er Jahren bekam das Museum Fridericianum seine endgültige Bestimmung: Kunsthalle und Heimat des Kasseler Kunstvereins.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Harald Kimpel, Kunst im öffentlichen Raum, Band 3

Weblinks



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