Staatstheater Kassel

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Museum Fridericianum, Staatstheater Kassel und Dokumentahalle
Foto:Günther Pöpperl

Das Staatstheater Kassel ist ein Drei-Sparten-Haus mit Schauspiel, Musik- und Tanztheater.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Beginn

Die Geschichte des Staatstheaters Kassel beginnt mit dem Ottoneum. 1604 als erstes festes Theaterhaus des Kontinents erbaut, gastierte hier die Shakespeare Company auf ihren Reisen von London nach Prag.

Das ehemalige kurfürstliche Opernhaus entstand dann zur Zeit von Landgraf Friedrich II. im Jahre 1765 aus dem Palais des Prinzen Maximilian (Umbau durch Simon Louis du Ry).

Die Preußen verkauften es an die Warenhauskette Tietz (heute Kaufhof AG), nachdem an der Stelle des historischen Auetors im Jahre 1909, (dort, wo sich heute der Rahmenbau, das Fenster zur Aue und Landschaft befindet,) der wilhelminische Theaterneubau eröffnet wurde.

Das Staatstheater um 1940

Im Jahre 1909 wurde das mit der Unterstützung von Kaiser Wilhelm II. gebaute, repräsentative Rathaus in Kassel eingeweiht und das von ihm in Auftrag gegebene Opernhaus am Friedrichsplatz eröffnet, dessen Pläne er selbst mitgestaltete und welches gleichzeitig als Hoftheater diente. Er nahm selbst Einfluss auf die Inszenierungen und besuchte alle Aufführung mindestens einmal.

Trotz vehementer Einwände der Bevölkerung wurde das kriegsbeschädigte Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Bereits im November 1945 konnte durch einen einzigartigen Selbsthilfedienst und Aufbauwillen aller Beteiligter die Stadthalle als Theater freigegeben werden. Im Vestibül eröffnete man mit Goethes „Iphigenie auf Tauris“, dem klassischen Bekenntnis zur Humanität, die neue Spielstätte. Bis 1959 spielte man im „Blauen Saal“ und im „Festsaal“ der Stadthalle alle wichtigen Opern und Sinfoniekonzerte.


Preisgekrönter Entwurf gekippt

Der Bau des Staatstheaters beschäftigt Lokal- und Landespolitik. Der preisgekrönte Entwurf der Architekten Scharoun und Mattern wird nicht ausgeführt, stattdessen kommt Paul Bodes Konzept zum Zuge.

Ansicht: Mitte der 60er Jahre
Das Staatstheater in Kassel und Dokumentahalle

Der Bau des Staatstheaters erregt die Gemüter in Kassel und beschäftigt auch die Landesregierung, wird zum Politikum. Dabei fing alles ganz harmonisch an. 1951 schreibt das Land Hessen einen Ideenwettbewerb für den Neubau des im Krieg zerstörten wilhelminischen Staatstheaters in der Fuldametropole aus. Lange vor dem Wettbewerb gibt es in der Öffentlichkeit heftige Diskussionen darüber, ob die Theaterruine wieder aufgebaut werden oder ob ein Neubau an anderer Stelle errichtet werden soll. Es sollte, so entschied die Politik, ein neues Theater am anderen Platz entstehen. Das Preisgericht entscheidet sich im September 1952 für den gemeinsamen Entwurf des Berliner Architekten Prof. Hans Scharoun und des Kasseler Professors der Werkakademie, Hermann Mattern. Die Fachleute sind begeistert von der Arbeit, auch Kassels Stadtrat Dr. Wolfgang Bangert lobt den Entwurf als "geistreiche, städtebaulich sehr gute Lösung." Der Entwurf Scharoun/Mattern sieht einen Neubau in Nachbarschaft des alten Theaters im Südosten des Friedrichsplatzes am Hang zur Karlsaue vor. Das von der Fachwelt stark beachtete Modell, das auf der Mailänder Trienale gezeigt wird, besticht dadurch, dass nicht ein einzelner großer, sondern ein stark gegliederter Baukomplex geplant ist.

Als "glückliche Lösung" bezeichnet es das Preisgericht auch, daß die beiden Baumeister die große Fußgängerverbindung vom Hauptbahnhof zur Auelandschaft belassen wollen. Wer zu Fuß unterwegs ist, kann den Musentempel über eine Brücke über den Steinweg erreichen. Nicht so gut findet die Jury die Idee in dem Entwurf, ein Kammerspieltheater in den Hanggeschossen des alten Theaters anzuordnen.

Die Kasseler Bürger verfolgen die Planung gespannt, hoffen, daß sie bald im neuen Theater Aufführungen besuchen können, statt in den engen, für das Theaterspiel nicht geeigneten Räumen der Stadthalle.

Am 15. Oktober 1954 wird schließlich feierlich der Grundstein gelegt für den Neubau nach dem Berlin-Kasseler-Gemeinschaftsentwurf. Die Baufirmen legen los und heben die Grube aus.

Mitte Dezember, zwei Monate nach Baubeginn, aber sind die Maschinen wieder stumm, weil die Bauherrin, die Landesregierung, die Arbeiten gestoppt hat. Wegen "Gründungsschwierigkeiten", wie es offiziell heißt. Tatsächlich sind Bauarbeiter beim Ausschachten auf Festungswälle und Kasematten gestoßen.

Durch diesen Fund – oder war die Entdeckung nur der Vorwand? – gerät der Bau ins Stocken. Die Landesregierung wirft Scharoun und Mattern vor, sie hätten es unterlassen, sich über den Untergrund eingehend zu informieren und seien bei Probebohrungen unsachgemäß vorgegangen. Die prominenten Baumeister wehren sich gegen die harsche Kritik. Die harten Worte aus Wiesbaden sind natürlich auch darauf zurückzuführen, daß sich durch die Gründungsprobleme die Kosten des Theaters drastisch erhöhen – von geplanten 7,1 Millionen Mark auf schließlich 21 Millionen Mark.

Die folgenden Monate des Jahres 1955 diskutieren die Kasseler über die Frage, was aus dem angefangenen Theaterbau wird. Das Land liebäugelt, wie sich herausstellt, mit einem Entwurf, den der Kasseler Architekt Paul Bode vorgelegt hat. Dieser sieht einen Bau nahezu parallel zum Steinweg vor. Die Diskussion spitzt sich zu.

Am 23. April 1955 erklärt Kassels Oberbürgermeister Dr. Lauritz Lauritzen der Öffentlichkeit, daß sich die Landesregierung von den Plänen Scharoun/ Mattern verabschiedet hat und den Entwurf Bodes bauen lassen will.

So kommt es, die Kasseler Stadtverordneten stimmen dem Votum des Landes am 2. Mai 1955 zu. Die Versammlung erklärt, sie habe keine Bedenken gegen die "Inangriffnahme und Ausführung des Theaterprojektes Bode, wenn die Landesregierung den alten Entwurf", gemeint ist der von Scharoun und Mattern, "für unausführbar" hält.


Eröffnung mit Festakt

Das Staatstheater in Kassel

Feierlich wurde am 12. September 1959 das heutige Staatstheater am Friedrichsplatz mit seinen 953 Plätzen vom Hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn eingeweiht. Die Eröffnungspremiere war die Uraufführung eines Auftragswerkes von Rudolf Wagner Régeny „Prometheus“.

Am darauf folgenden Tag wurde das Schauspielhaus mit Schillers „Maria Stuart“ eingeweiht.

Nach fast 15 Jahren der Evakuierung mit dem Notquartier Stadthalle wurde das neue Staatstheater eröffnet. Die Querelen um die Vorgeschichte waren natürlich nicht vergessen, aber jetzt freuten sich alle auf die Eröffnungsvorstellung der von Rudolf Wagner-Régeny komponierten Oper "Prometheus".

Neben Ministerpräsident Georg August Zinn und Oberbürgermeister Lauritz Lauritzen stand auch Intendant Hermann Schaffner auf der Rednerliste. Der erinnerte sich: "Als ich in den letzten Wochen in ständigen Rundgängen das neue Theater erkundete, da schweiften die Gedanken manches Mal zurück, - 14 Jahre zurück in ein russisches Gefangenenlager -, gefangene Schauspieler hatten sich mit mir zusammengefunden und eine Lagerbühne gegründet. Damals zeigte die Resonanz der Leidensgefährten noch einmal, welche belebenden Kräfte selbst ein improvisiertes Komödiantenspiel auszulösen vermag."


Sanierung 2004 - 2007

Von 2004 bis 2007 wurde das Gebäude des Staatstheaters saniert und die Aufführungen fanden in dieser Zeit in Ausweichspielstätten statt: dem Kuppeltheater, der documenta-Halle und dem tif.

Verwaltung, Intendanz, Schneiderei etc. wurden in das Haus Königstor 31 ausgelagert.

In dieser Zeit wurde das Gebäude des Staatstheaters renoviert und saniert.

Die Sanierung verwirklichte vor allem die heutigen Bestimmungen zum Brandschutz und verbesserte zugleich die viel zu beengte Situation der Werkstätten.

Intendanten

Das Kuppeltheater auf dem Friedrichsplatz 2004 bis Februar 2007

Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Es sind die Amtszeiten der Intendanten, nach denen sich die Geschichte eines Theaters bemisst. Zehn Intendanten hat das neue Staatstheater am Friedrichsplatz bisher gesehen. Bei einigen kann man von einer Ära sprechen, andere haben kaum Spuren hinterlassen.

siehe auch

Staatsorchester Kassel, Dirigent Rasmus Baumann

Chronik der Jahre

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